Auktion 1070, Moderne Kunst, 03.06.2016, 18:00, Köln Lot 328

Hans Purrmann, Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie)

Hans Purrmann, Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie), 1924, Auktion 1070 Moderne Kunst, Lot 328
Hans Purrmann, Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie), 1924, Auktion 1070 Moderne Kunst, Lot 328
Hans Purrmann, Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie), 1924, Auktion 1070 Moderne Kunst, Lot 328
Hans Purrmann, Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie), 1924, Auktion 1070 Moderne Kunst, Lot 328

Hans Purrmann

Speyer 1880 - 1966 Basel

Sitzender Akt, nach links (Weibliche Aktstudie)

1924

Öl auf Leinwand. 70,5 x 55 cm. Gerahmt. Rechts unten dunkelblau signiert 'H. Purrmann'. - Rückseitig auf dem Rahmen bzw. dem Keilrahmen mit einem fragmentierten Papieraufkleber, dort eigenhändig betitelt 'Weibliche Aktstudie' und mit der Künstleradresse versehen 'Professor Hans Purrmann Berlin Grunewald Franz[ensbaderstraße 3]'. - In schönem originalen Zustand. - Die Leinwand leicht gewellt.

Lenz/Billeter 1924/39 (dort irrtümlich"unbezeichnet")

Provenienz

Ehemals Sammlung Konsul H. Bomke, Dortmund; rheinische Privatsammlung

In der ersten Hälfte der 1920er Jahre hielt sich Hans Purrmann wiederholt für mehrere Monate in Italien auf. Seine bevorzugten Aufenthaltsorte waren Sorrent, Rom und Ischia, wo jeweils zahlreiche Arbeiten entstanden - vor allem Landschaften, römische Stadtansichten und lichtdurchflutete Interieurs. 1924 malte Purrmann in seinem römischen Atelier, höchstwahrscheinlich nach demselben dunkelhaarigen Modell, eine Reihe von Aktdarstellungen (vgl. Lenz/Billeter 1924/ 38 - 44, nicht alle davon sind heute überliefert). Unsere vorliegende Variante kommt in der Größe und in der Ähnlichkeit dem Gemälde am nächsten, das in einem 1926 entstandenen Foto dokumentiert ist (s. Vergleichsabb.). Das dort auf einer Staffelei stehende Werk ist eine etwas grösserformatige Fassung (94 x 75 cm, vgl. Lenz/Billeter 1924/44): es zeigt grosse Verwandtschaft, wenn auch der Hintergrund im Bild weiträumlicher gefasst erscheint.

Das helle, nuancenreich wiedergegebene Inkarnat des Modells hebt sich vor dem dunkeltonig gehaltenen Umraum jeweils effektvoll ab und nimmt zugleich die dort vorherrschenden roten, grünen und blaugrauen Farbtöne in sich auf. Die Gegensätzlichkeit von hellen Hautflächen und farbigen Flächenornamenten übte einen besonderen optischen Reiz aus, dem sich der Künstler mit großem Interesse widmete.

Zu der besonderen Charakteristik der Aktdarstellungen im Oeuvre Purrmanns schreibt Gotthard Jedlicka: "Er nimmt in jedem Akt, so intensiv dieser in seiner formalen Erscheinung, in Zeichnung und Farbe, durchgebildet sein mag, das Individuum ernst, das sich in ihm manifestiert: wenn auch nur in dem Ausmaß, in dem seine individuelle Gestalt in Zeichnung und Farbe einzugehen vermag. Seine Entwicklung und Wandlung auf dem Gebiet der Malerei läßt sich auch an der Entwicklung der Aktmalerei darstellen. Aktbilder sind in seinem Gesamtwerk verhältnismäßig selten, aber wenn man sie aus diesem herausgreift und zusammenstellt, erkennt man, daß es ihn im Verlauf seines langen Lebens unbewußt gelockt hat, sich mit allen Problemen der Aktmalerei auseinanderzusetzen: Stehende, sitzende, halb liegende Akte und Halbakte in einem Interieur, das durch eine Rückwand oder weitere räumliche und gegenständliche Merkmale gekennzeichnet ist." (in: Der Maler Hans Purrmann. Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik von 1898-1960, Ausst. Kat. Kunstverein Hannover, Hannover 1960, S. 14).

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