Paul Adolf Seehaus - Dünen und Dock

Paul Adolf Seehaus - Dünen und Dock - image-1
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Paul Adolf Seehaus

Dünen und Dock
Um 1914

Öl auf Leinwand (38,7/38,9 x 50,6/51,1 cm), auf Karton aufgezogen 38,7/39 x 50,8/51,1 cm Gerahmt. Unbezeichnet. - Format minimal unebenmässig; die Malerei auf den Rändern des ehemaligen Leinwandumschlages auslaufend. Die Leinwand mittig vertikal und in der unteren Bildhälfte horizontal mit schwacher Knickfaltenspur. Professionell restauriert und gereinigt.

Die vorliegende Darstellung einer Küste in horizontal geschichteter Komposition ist im Oeuvre des Künstlers den Beispielen sog. nordisch-"keltischer" Landschaft zuzuordnen. Die kleinformatige Bildarchitektur wird belebt von expliziten formalen Gegensätzen: kurvig abstrakten Formelementen begegnet im Mittelgrund eine stabilisierende, strengere Linearität. Hier erscheint in der Wasserzone wie überdimensioniert der Aufbau eines lang gestreckten Dampfers und ein Kai (bzw. "Dock") mit turmartigen roten Aufbauten. In der rechten Bildhälfte gewährt die bewegte Dünenlandschaft den Ausblick auf die gelagerte See mit drei Seglern in der Ferne, rote Segel setzen auch hier expressionistische Akzente. Die eingesetzten Farbgegensätze evozieren Licht und stimmungshafte, nicht ganz sturmfreie Phänomene.
"Das Wasser ist stofflich nicht weich, sondern fest, kompakt wiedergegeben und von braunroten Streifen [...] durchzogen. Leichte Räumlichkeit ergibt sich durch das Repoussoirmotiv der untersten, vorderen Bildzone. [...]. Die Schroffheit und Unwirtlichkeit der Natur mit ihrer kargen Vegetation und dem bleiernen Himmel wird verstärkt durch die Verlorenheit der Figuren rechts am Ufer und den festungsartigen Charakter der Turmarchitektur. Die topographische Situation hatte wohl ein tatsächliches Vorbild; der unscheinbaren Ansicht eines Küstendocks gewinnt Seehaus aber einen herben, fremdartigen Reiz ab." (Dering, op. cit. Bonn 2004, S. 74)
Diese Ausdrucksqualitäten einer individuellen Bildphantasie, vor allem die bewusste Versuchsanordnung experimentell eingesetzter, stilistischer Komponenten, die an der Avantgarde der Zeit geschult sind, empfindet man heute - aus gänzlich anderer Perspektive als damals - nicht nur als eigentümlich und spannend. Man blickt mit besonderer Entdeckerfreude auf diese Malerei von Paul Adolf Seehaus, die durch ihre Rarität ausgezeichnet ist.

Werkliste

Dering G 35; Rave I, 24

Provenienz

Aus dem Nachlaß des Künstlers; süddeutscher Privatbesitz

Literaturhinweise

Peter Dering, Paul Adolf Seehaus. Leben und Werk, Bonn 2004, S. 74, mit Abb.

Lot 500 Dα

Schätzpreis:
18.000 € - 22.000 €

Ergebnis:
18.600 €