Otto Dix - Badende Soldaten

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Otto Dix

Badende Soldaten
1917

Schwarze Kreidezeichnung auf festem braunen Papier 40,3 x 39,5 cm Unter Glas gerahmt. Unten links mit Bleistift signiert und datiert 'Dix 17'. - Mit zwei unerheblichen schmalen Randausrissen am Oberrand. Am rechten Rand mit wenigen kleinen Löchern ehemaliger Heftung.

Otto Dix erlebt das Kriegsjahr 1917 wie viele seiner Künstlerkollegen als Soldat in Flandern.
Dort entstehen Papierarbeiten, die die furchtbaren Gräuel in expressiver und am italienischen Futurismus geschulter Bildsprache darstellen.
Die Begeisterung der Futuristen für Schnelligkeit, Motoren, Gefahr, Kampf und Krieg äußert sich in einem spezifischen Stil ihrer Malerei und Plastik - in der Überspitzung abstrahierter Formen, die in ihrer Staffelung einen beschleunigten Raum-Zeit-Faktor, mithin Kraft und Gewalt visualisieren. Ähnliche kubofuturistische bzw. futuristische Kompositionsprinzipien macht auch Otto Dix sich in dieser Zeit zueigen.
„Windstöße zerfetzen rauschend Himmel und Landschaft. Kalte, stahlglatte Bombenflieger singen in spitzen Dreiecksformen brummend das futuristische Hohe Lied von Kraft und velocità. In Geschwindigkeit umgesetzte Kraft […]. - Die Welt ist zum Krieg geworden, und dieser Krieg offenbart sich als ‚Ungeheuer an Kraft' -, Kraft, die sich überall entlädt in zerstörende Energie oder umsetzt in schwirrende Geschwindigkeit.“ (Otto Conzelmann (Hg.), Otto Dix. Handzeichnungen, Hannover 1968, S. 18).
Vergleicht man die vorliegende Zeichnung „Badende Soldaten“ mit den beiden zeitgleich entstandenen Arbeiten „Badende Kompanie - Ostende“ - die sich in den Staatlichen Museen Kassel befindet - und „Knokke, Badende Soldaten“, in denen aufrückende Truppen die See gleichsam stürmen (Lorenz WK 6.2.9 und WK 6.2.10), erweist sich unsere Szene in ihrer Komposition als harmonisch. In Halbrunden begegnen einander Wellen und Badende, der Abstraktionsgrad ist hoch und scheinbar dem Raum-Zeit-Kontinuum enthoben.

Werkverzeichnis

Lorenz I, WK 6.2.11

Provenienz

Galerie "Obere Zäune", Zürich; Galerie Valentien, Stuttgart; seitdem Privatsammlung Berlin

Literaturhinweise

Ausst. Kat. Otto Dix, Galerie Daniel Keel, Zürich 1965, mit Abb. im Anzeigenteil auf der Katalogrückseite

Ausstellung

Stuttgart 1983 (Galerie Valentien), Otto Dix. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Kat. Nr. 12 mit ganzseitiger Abb.; Saulgau 1979 (Städtische Galerie "Die Fähre"), Otto Dix 1891-1969, Kat. Nr. 65

Lot 212 D

Schätzpreis:
25.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
29.760 €