Emil Nolde - Roter Mohn (Mohnblumen, Iris und Sonnenhut)

Emil Nolde

Roter Mohn (Mohnblumen, Iris und Sonnenhut)

Aquarell auf Japanpapier 47 x 34,5 cm Unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Tinte signiert 'Nolde'. - Die Blüten farblich verstärkend rückseitig partiell bemalt. Vereinzelt mit winzigen Stockflecken; in den oberen Ecken mit Reißnagellöchern.

„Ich malte vorerst ein paar Blumenbilder mit rotglühendem großen Mohn, um mich an die Farbe zu gewöhnen.“ (Emil Nolde, zit. nach Martin Urban, Emil Nolde. Blumen und Tiere. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1980, S. 35) Dieses kurze, aber bedeutsame Zitat aus der unmittelbaren Zeit nach Kriegsende 1945 vermag die ausnehmende Rolle der Farbe für die Kunst von Emil Nolde anzudeuten. Nach Jahren der Verfemung und des Malverbots wird der Künstler die Rückkehr zur Farbe als vitalisierendem Urquell und existentiellem Substrat seiner Kunst im Frühsommer 1945 umso intensiver erlebt haben.
Seine in leuchtenden Farben gemalten Mohnblumen belegen eindrucksvoll Noldes einzigartigen Umgang mit dem Medium Aquarell. Indem er die Farbe sowohl von der Vorder- als auch der Rückseite auf das Blatt aufträgt, vermag er den Bildträger zu einer Art Resonanzkörper werden zu lassen, durch den die einzelnen Farbenklänge im Wortsinne hindurchscheinen.
Seit seiner Zeit in Utenwarf um 1916/18 bis zu seinem Tode schuf Nolde unzählige Blumenaquarelle. Im Blumenbild fanden seine Farbenphantasien die größtmögliche Freiheit, hier konnte er seine Ideen zur Farbe mit einem Höchstmaß an Abstraktion realisieren, ohne die Bindung an die Natur aufgeben zu müssen, denn diese sollte stets das Fundament seines Schaffens bedeuten. Auch wenn der Gegenstand dieser Werke über die Jahre der gleiche bleiben sollte, so sind sie im Ausdruck doch jeweils gänzlich verschieden. Der Mohn, die Iris, der Sonnenhut und die anderen Blumen, sie alle verkörpern weniger botanische Studien, denn individuelle Wesen, Charaktere und Stimmungen.

Provenienz

Privatbesitz Berlin; Rheinische Privatsammlung

Literaturhinweise

Triumph der Farbe, DAS KUNSTWERK, Sonderausgabe, Kunstwerkschriften, Bd. 32, Baden-Baden 1952, im Frontispiz mit ganzseitiger Farbabb.

Lot 218 N

Schätzpreis:
80.000 € - 100.000 €

Ergebnis:
111.600 €