Auktion 1078, Moderne Kunst, 02.12.2016, 18:00, Köln Lot 229

Willi Baumeister, Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün

Willi Baumeister, Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün, 1954, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 229

Willi Baumeister

1889 - Stuttgart - 1955

Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün

1954

Öl mit Kunstharz und Spachtelkitt auf Hartfaserplatte. 33,9/34,1 x 47,4 cm. Gerahmt. Unten links eingeritzt schwarz signiert und datiert 'Baumeister 54'. Rückseitig zusätzlich mit Bleistift unten links signiert 'Baumeister' sowie oben quer datiert und betitelt 'Lyrik mit Kammzug/ auf Blau-Grün 1954' (schwer lesbar). - Rückseitig mit dem Austellungsaufkleber der Galerie La Medusa, Rom. - Stellenweise an den Kanten mit geringfügigen Farbabplatzungen.

Beye/F. Baumeister 2090 ("Verbleib unbekannt", leicht abweichende Maße)

Mit einer Bestätigung von Felicitas Baumeister, Archiv Baumeister, Stuttgart, vom 5. September 2016

Provenienz

Galleria del Fiore, Mailand; La Medusa, Studio d'Arte, Rom; Petro Campilli, Rom; deutsche Privatsammlung

Ausstellungen

Mailand 1955 (Galleria del Fiore), Willi Baumeister - André Bloc; Rom 1957 (La Medusa, Studio d'Arte), Willi Baumeister, Kat. Nr. (4) mit Abb.

Literatur

Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, Nr. 1629 mit Abb. (hier irrtümlich als Öl auf Karton 37 x 47,5 cm)

Willi Baumeisters Spätwerk zeichnet sich durch ein sensibles Streben nach der übergreifenden Modulation des Bildraumes aus. Seine abstrakten Formgebilde sind nicht bloß auf der Leinwand arrangiert, sondern eingebettet in einen rauen, putzartigen Bildgrund. Mit ihren ausfransenden Rändern scheinen die biomorphen Formen der vorliegenden Arbeit im komplex differenzierten Grund förmlich verwachsen. Aus diesem Moment ergibt sich auch die spezifische Dynamik des Werks, die im Hervorwachsen und Eindringen der unterschiedlich strukturierten Formelemente aus und in den blau-grünen Grund ein rhythmisches Gleichgewicht zu finden scheint.

In den letzten Jahren seines Lebens greift Baumeister noch einmal auf eine Technik zurück, die er bereits in den 1940er Jahren eingeführt hatte: den Kammzug. Der Partie weißer Kammzüge in der rechten oberen Bildpartie unterstreicht die ausgeprägte Materialität der Farbe und verweist zugleich auf die immateriellen Qualitäten des Lichts. Will Grohmann erschienen diese lyrischen Kompositionen als schwer zu dechiffrierender Höhe- und Schlusspunkt eines reichen künstlerischen Oeuvres: „[…] an der Wurzel berühren sich die Künste, besonders dann, wenn sie darauf ausgehen, die reine Sprache der Malerei, die reine Sprache der Musik oder der Dichtung wiederherzustellen und für das innere Auge, das innere Ohr zu schaffen. Am unteren Ende beinahe jedes dieser Bilder steht eine arabeskenhafte Figur, beiläufig und leicht. Soll sich diese immer wiederkehrende Bilderschrift dem Publikum einprägen als Signatur?“ (Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, S. 156)

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