Auktion 1090, Moderne Kunst, 31.05.2017, 18:00, Köln Lot 274

Emil Nolde, Weite Marschlandschaft mit Bauernhöfen

Emil Nolde, Weite Marschlandschaft mit Bauernhöfen, 1930/1935, Auktion 1090 Moderne Kunst, Lot 274

Emil Nolde

Nolde bei Tondern 1867 - 1956 Seebüll

Weite Marschlandschaft mit Bauernhöfen

Um 1930/1935

Aquarell auf faserigem Japanbütten. 32,8 x 45,5 cm. Unter Glas gerahmt. Unten rechts mit schwarzer Feder signiert 'Nolde.' - Der Bogen minimalst leicht unregelmässig geschnitten. In schöner Erhaltung. - Der alte Rahmungskarton oben mit dem bedruckten Aufkleber der "Commertschen Kunsthandlung", Hamburg.

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Klockries, vom 31. März 2017; die Arbeit ist unter der Archiv-Nr. "Nolde A-14/2017" registriert.

Provenienz

Commetersche Kunsthandlung (Wilhelm Suhr), Hamburg (dort erworben); seitdem in norddeutschem Privatbesitz

Das vorliegende Landschaftsmotiv zeigt nach Manfred Reuther die friesische Marsch im Gotteskoog mit den Seebüll umgebenden grossen Gehöften. 1927 hatte der Künstler auf der erhöht liegenden Warft von Seebüll sich ein neues Wohn- und Atelierhaus nach eigenen Entwürfen bauen lassen. Es entstanden in den Folgejahren um 1930 bzw. in den frühen 1930er Jahren eine Reihe von großen Marschlandschaften, die die neue Umgebung mit ihrer Topographie festhalten. In seinen Erinnerungen beschrieb Nolde genau die ihn umgebenden Siedlungen nach den Himmelsrichtungen und nannte sie mit ihren Namen, auch erfasste er den alles beherrschenden Eindruck: "Wir standen auf unserer Warft Seebüll, die ganze weite Himmelswölbung über uns, mehr noch als den Halbkreis rundend, denn seltsam ist es, wie sehr eine kleine Anhöhung in der flachen Ebene den Himmelsbogen vergrößert." (Emil Nolde, Seebüll 1928, in: Mein Leben, Köln 1976, S. 373).

"Seine Heimat, das ist das Land am Meer zwischen Tondern und dem Dorf Nolde, mit Ruttebüll, Rosenkranz, Utenwarf und Seebüll. Ein eigenartiges Land, das bis ins 16. Jahrhundert noch dem Meer gehörte, es war ein Wattenmeer mit einigen bewohnten Halligen, breiten Prielen und Schlickboden, von der Nordsee im Wechsel der Gezeiten überflutet. Dann begannen die Deichbauten und deren Zerstörung durch Sturmfluten, ein ewiger Kampf, dessen Schrecken den Menschen bis in die jüngste Zeit gegenwärtig blieb. Auch als die Deiche vor der Flut des Meeres schützten, war die Gefahr der Überschwemmung nicht behoben, denn das Land lag zu tief, die vielen Seen und die zur Nordsee strömenden Flüsse konnten die von der höher gelegenen Geest kommenden Wassermassen nicht fassen, vom Herbst bis zum Frühjahr war alles weithin überschwemmt; dann lagen die einsamen Höfe auf den Halligen und Warften wie Inseln im Meer, das Boot vor der Haustür wurde zum einzigen Verkehrsmittel. So war die Landschaft noch vor dreißig, vierzig Jahren; eine Urlandschaft von eigentümlicher Schönheit." (Martin Urban, Emil Nolde - Landschaften, Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 26).

Die damals entstandenen Gemälde und Aquarelle nach dieser "Urlandschaft" sind heute unangefochtene Meisterwerke im Oeuvre Emil Noldes. Intensive wie expressive Farbigkeit ganz unterschiedlicher Atmosphären und Stimmungen zeichnen sie aus. Im vorliegenden Werk liegen die roten Bauernhäuser mit ihren langgestreckten Dachfirsten am ferneren Horizont, inmitten des feuchtigkeits-gesättigten, grünen Geländes. Mit schmalen und dunklen Konturen betont Nolde die Umrisse und deutet die Gräben an, die die Landschaft durchziehen. Im hohen, hier lichteren Wolken- und Lichtspiel des Himmels entfaltet sich ein reiches Feuerwerk komplementärer Farben, in denen Gelb und Orange von Blau- und Violett-Tönen sekundiert werden. Die überwältigende Farbwirkung des Aquarells übersetzt die empfundene Kraft eines unendlichen Naturschauspiels, das sich ständig verändert, ständig erneuert.

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