Hermann Glöckner - Rechtwinkelige Durchdringung: Zeichen F auf Schwarz

Hermann Glöckner

Rechtwinkelige Durchdringung: Zeichen F auf Schwarz
Um 1932

Doppelseitig gearbeiteteTafel in Tempera, Papier und Lack auf Pappe 50 x 35 x 0,3 cm Rückseitig unten rechts in Weiß mit der Negativnummer des Künstlers '149/6a' bezeichnet. - Die Lackoberfläche mit unauffälligen, vermutlich werkprozessbedingten Kontaktspuren.

Entstanden ab 1930, bilden Hermann Glöckners Tafeln eine zentrale Werkgruppe innerhalb seines reichen Schaffens. Bei dem weitaus größten Teil dieser Arbeiten handelt es sich um gegenstandslose, geometrische Kompositionen, deren Genese auf einem sehr eigenständigen Abstraktionsprozess des Künstlers beruht und dabei weniger nach der Reinheit mathematischer Konstruktion strebt, als nach deren Erweiterung um Zufall und Störung. In der Verbindung von künstlerischem Gehalt und handwerklicher Gestalt verfügen die technisch höchst vielfältig gestalteten Tafeln über einen dezidiert objekthaften Charakter, der nicht zuletzt im Verzicht auf eine Rahmung und der künstlerischen Einbeziehung beider Werkseiten Ausdruck findet. Dieses von Glöckner in Abgrenzung zum klassischen Gemälde entwickelte Konzept der Tafel wurde im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts vielfach als bedeutender Beitrag zur konstruktiv-konkreten Kunst gewürdigt.
Im Dresden der 1920er Jahre, wo der im nahegelegenen Cotta geborene Glöckner mit Unterbrechungen bis 1975 lebte, fand der Künstler unzählige Gelegenheiten, sich mit dem Formenvokabular der Avantgarde auseinanderzusetzen. Die Dresdner Gemäldegalerie oder die Sammlung Ida Bienert brachten internationale Spitzenwerke der Moderne in die sächsische Metropole genauso wie die Internationale Kunstausstellung von 1926. In Galerien wie Kühl und Neue Kunst Fides, wurden die Werke von Dexel, Feininger, Kandinsky, Klee, Lissitzky, Man Ray und Mondrian gezeigt.
Nach der Verfemung und Isolation in der Zeit des Nationalsozialismus war es das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das sich jenseits der kulturpolitischen Implikationen in der DDR für eine Würdigung von Hermann Glöckners Werk einsetzte. Wenn auch spät, kam es 1965 zu einem ersten Ankauf für die Sammlung. Im Jahr 1969 folgte die erste öffentliche Einzelausstellung mit seinen bis 1945 geschaffenen Arbeiten, in der auch die vorliegende Tafel vertreten war (s. Vergleichsabb.). Das „Zeichen F“ der frühen doppelseitigen Tafel nimmt Bezug auf Hermann Glöckners Gattin Frieda und wurde vom Künstler als „Geburtstagstafel für Frieda“ bezeichnet (vgl. Ivana Thomaschke, Hermann Glöckner Werkverzeichnis bis 1945. Dresden 1967 [unveröffentlicht], Tafelwerk Nr. 25, o. S. und Christian Dittrich, Rudolf Mayer und Werner Schmidt, Hermann Glöckner. Die Tafeln 1919 - 1985, Dresden/Stuttgart 1992, S. 97). Neben der Vorderseite mit den sich überlagernden Rechtecken als doppeltem F-Zeichen in Gold auf schwarzem Grund, zeigt die Rückseite in der Umkehrung der Farben sich durchdringende schwarze Linien auf Gold, im Zentrum die ligierten Initialen des Künstlers.

Werkliste

Thomaschke Tafelwerk 25; Dittrich/Mayer/Schmidt Tafeln 29

Provenienz

Geschenk des Künstlers (1974), seitdem Privatbesitz, Köln

Ausstellung

Dresden 1969 (Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden), Hermann Glöckner zum 80. Geburtstag. Zeichnungen, Gemälde und Tafeln aus den Jahren 1911 – 1945, Kat. Nr. 102

Lot 276 N

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
161.200 €