Otto Dix - Bodenseelandschaft bei Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen

Otto Dix - Bodenseelandschaft bei Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen - image-1
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Otto Dix

Bodenseelandschaft bei Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen
1940

Öl und Tempera auf Hartfaserplatte 84,8 x 65,2 cm - - Mit drei kleinen rahmungsbedingten Farbabsplitterungen an der oberen Kante sowie einigen fachmännisch ausgeführten Retuschen entlang der Kanten.

Otto Dix lebte von 1933 bis 1936 auf Burg Randegg bei Singen. Hier entstanden 1934 die ersten Landschaftsbilder. Beim Thema Landschaft blieb er auch später in Hemmenhofen am Bodensee, wo er ab 1936 mit seiner Familie in einer Art 'inneren Emigration' lebte. Einerseits ist die thematische Beschränkung auf die nationalsozialistische Kulturpolitik und die Diffamierung seiner Werke zurückzuführen, andererseits aber auch auf den Mangel an Modellen. Bereits 1934 hatte man Dix ein Ausstellungsverbot erteilt, da man ihm die Verbreitung unzüchtiger Darstellungen vorwarf. Trotz des Verbots gab es aber in den folgenden Jahren vereinzelt Ausstellungsmöglichkeiten, so z.B. 1935 zusammen mit seinem Freund Franz Lenk in der Galerie Karl Nierendorf in Berlin, wo vor allem Landschaften ausgestellt waren. Da der Stil der Gemälde relativ naturalistisch war, wurden sie nicht beschlagnahmt. Zwei Jahre darauf war Dix aber bereits mit acht Gemälden auf der Ausstellung "Entartete Kunst" in München vertreten. Ungefähr 260 seiner Gemälde wurden damals im Zuge einer Säuberungsaktion aus verschiedensten deutschen Museen beschlagnahmt; einige davon wurden in der Schweiz versteigert, andere wurden vernichtet.
Das vorliegende Gemälde zeigt eine spätsommerliche Landschaft in halber Vogelschau. Der Blick schweift in die Ferne bis zum anderen Ufer des Sees und den dahinterliegenden Bergen. Doch ist der Standort des Malers ein fiktiver, er befände sich wohl auf dem Seerücken oberhalb von Kaltenbach (Schweiz). Der Blick richtet sich auf den Ort Stein am Rhein, weiter links oben auf die Burg Hohenklingen sowie am Horizont auf Horn und weiter in der Ferne auf die Reichenau. Die Tatsache, dass das Bild topographisch etwas komponiert, bzw. nicht ganz korrekt ist, spricht dafür, dass Dix es aus der Erinnerung im Atelier gemalt haben muss. Blumen und Gräser, eine imposante Baumkulisse sowie ein Acker leiten in die Landschaft über, die in ein gleichsam goldenes und doch künstlich übersteigertes Abendlicht getaucht ist. Mit Akzent auf die Farben Umbra, Ocker, Grün, Türkis und helles Violett entsteht ein überaus farbiges Bild. Bei der Interpretation stellt sich die Frage, ob allein eine idyllische Landschaft abgebildet ist, oder ob der Jäger im Wald wie auch der in gebückter Haltung pflügende Bauer nicht einen symbolischen Hinweis auf gelebte Ängste und Repressionen geben. Das Besondere an der von Dix verwandten altmeisterlichen Lasurtechnik ist die ihm eigene, akribisch vorgetragene Präzision. Die Lasurtechnik hat Dix, der sich angeregt durch seinen Lehrer Herberholz, aber auch durch das Studium alter Meister sowie durch das 1921 von Max Doerner veröffentlichte Buch über Malmaterialien intensiv mit maltechnischen Problemen auseinandersetzte, bis 1944 fortgeführt. Landschaftsbilder entstanden nicht nur am Bodensee, sondern auch in der Sächsischen Schweiz, im Böhmischen Mittelgebirge, im Riesengebirge und in Graubünden.

Werkverzeichnis

1940/11 Löffler (hier mit der Maßangabe 87 x 77 cm

Zertifikat

Wir danken Rainer Beck, für die freundliche Bestätigung der lückenlosen Provenienz.

Provenienz

Sammlung Familie Niescher, Chemnitz (Fritz Niescher war ein Freund des Künstlers); deutsche Privatsammlung

Lot 417 Dα

Schätzpreis:
120.000 € - 140.000 €

Ergebnis:
132.000 €