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Auktion 1099, Moderne Kunst, 01.12.2017, 18:00, Köln Lot 330

Henri Laurens, Deux Femmes

Henri Laurens, Deux Femmes, 1930, Auktion 1099 Moderne Kunst, Lot 330

Henri Laurens

1885 - Paris - 1954

Deux Femmes

1930

Bronzerelief. 50 x 50 cm. Unten rechts monogrammiert 'HL' (ligiert) und mit der Exemplarnummer bezeichnet. - Rückseitig mit dem Etikett der Galerie Louise Leiris, Paris, versehen. Darin handschriftlich mit Künstlernamen, Werktitel, Jahr, Exemplarnummer etc. bezeichnet. Exemplar 2/6. - Mit rotbraun-grünlicher Patina. - Rückseitig mit Aufhängevorrichtung.

Provenienz

Galerie Louise Leiris, Paris; Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen

Karlsruhe 1964 (Badischer Kunstverein), Pablo Picasso - Henri Laurens. Skulpturen, Radierungen, Lithographien, Kat. Nr. 18 mit Abb.; Paris 1967 (Grand Palais), Henri Laurens. Exposition de la donation aux Musées Nationaux, Kat. Nr. 21 mit ganzseitiger Abb.

In skulptural klassischer Körperauffassung mit reduziert geritzter Binnenzeichnung der Gesichtszüge sind die beiden weiblichen Akte beinahe formatsprengend in den knapp bemessenen quadratischen Rahmen zueinander verschränkt sitzend eingeschrieben. Kubistisch anmutende Formkürzel eröffnen den Bildraum und verorten die Szenerie - wie oft im Werk von Henri Laurens - am Meer. Interessanterweise bildet ein Wellenkamm den oberen Abschluss und befreit damit das Motiv aus dem Rahmengeviert in die Vorstellung von einem endlosen Raum.

Das Verhältnis von Körper und Raum in seinem plastischen Werk entwickelt Laurens unter Einflüssen von Musik und Natur zu Beginn der 1930er Jahre weiter. Jetzt geht die Wahl des Materials von Gips und Terrakotta hin zur Bronze, wie Anna Ferrari schreibt, und sie sieht gerade für diesen Zeitraum den Zusammenhang zu den Schriften des sehr beliebten und von vielen Künstlern rezipierten französischen Philosophen Henri Bergson. Dieser stellte in seinem Buch „Matière et mémoire“ fest, dass Zeit und Raum individuell wahrgenommen und damit zu Variablen werden, aber der eigene Körper die einzige Konstante bildet. (vgl. Anna Ferrari, Playing in Space. Henri Laurens's sculptures in the 1930s, in: Ausst. Kat. Henri Laurens, De Grote Curve/The Great Curve. Retrospective, Den Haag 2014, S. 43 ff.).

Laurens selbst schildert seine Arbeitsweise: „Wenn ich eine Skulptur beginne, habe ich von dem, was ich machen möchte, nur eine vage Idee. Ich habe zum Beispiel die Idee einer Frau, oder von etwas, was mit dem Meer zu tun hat. Bevor meine Skulptur eine Darstellung von irgend etwas ist, ist sie eine plastische Tatsache, genauer: eine Folge plastischer Geschehnisse, von Produkten meiner Vorstellung, von Antworten auf die Ansprüche der Konstruktion. Das ist im ganzen gesehen alles, was die Arbeit ausmacht.“ (zit. nach: Werner Hofmann, Henri Laurens. Das plastische Werk, Stuttgart 1970, S. 31).