Panorama "Bataille de Molwitz"
Sepiatinte, rote Tinte, Feder und Aquarell auf zwei montierten Doppelseiten. Horizontaler und gerollter Schlachtplan, oben bezeichnet "PLAN der BATAILLE von MOLWITZ so den 10.ten April Anno. 1741 vorgefallen mit der Oestereichschen Armee." Sehr detaillierte Gouachen mit feinem Kolorit, 13 Porträts der Befehlshaber zu Pferd (ca. 4 x 5 cm), Darstellung der preußischen Aufstellung mit kolorierten Standarten, Schmuckelementen wie Kanonen und Wagen, 6 kolorierten Ansichten der umliegenden Dörfer und der Festung sowie einem kleineren schematischen Plan der Schlachtordnung der Preußen und Österreicher. Auf der Rückseite an der äußeren rechten Seite in Querschrift „Bataille de Molwitz“. Wasserzeichen. Unterfaserte Vertikalrestaurierung, die untere linke Ecke und einige Randeinrisse restauriert, weitere nicht restauriert, teilweise unfrisch. H 36, B 90,4 cm und H 36, B 92,5 cm. In einem gold bedruckten dunkelblauen Lederfutteral.
1741.
Es scheint sich um eine Rolle mit Memorialfunktion zu handeln, die anlässlich des Sieges von Mollwitz, vielleicht für einen führenden Offizier, möglicherweise sogar als Geschenk für den König angefertigt wurde. Der Entstehungszeitraum liegt wohl in der Mitte des Jahres 1741, darauf deuten einige Rangbenennungen hin. In dem Plan ist bei drei Offizieren ein falscher Dienstgrad angegeben; entweder einer, den sie noch nicht oder aber nicht mehr hatten. Im Einzelnen sind dies: Oberst Carl Friedrich von Posadowsky (in der Rolle angegeben als "Gen. Maj.", was er allerdings erst ab dem 4. Juni 1741 wurde). Es ist also von einem Entstehungszeitraum ab diesem Datum auszugehen. Generallieutenant Graf Adolph Friedrich von der Schulenburg (diesen Rang bekleidete er seit Anfang Dezember 1740) ist in der Rolle noch als Generalmajor angegeben. Die Nachricht von seiner Beförderung scheint sich in der Hektik der Kriegsvorbereitungen und der vielen Ereignisse im Zusammenhang mit der Thronbesteigung nicht schnell genug verbreitet zu haben. General (ab 7. April 1741) Prinz Leopold II. Maximilian von Anhalt-Dessau ist in der Rolle noch als "Gen. Lt." aufgeführt. Auch diese Verwechslung spricht für eine zeitnahe Anfertigung der Rolle kurz nach der Schlacht.
Thematisch gliedert sich die Rolle in zwei Teile. Im linken Bereich (etwa 110 cm breit) ist die Schlachtaufstellung der Preußen zu sehen. Zu den einzelnen Quarées sind die Standarten in den jeweiligen Regimentsfarben gemalt. Grenadierbataillone sind durch brennende Granaten kenntlich gemacht. Mit roter Schrift sind die Namen der Regimenter und Bataillone eingetragen. Zusätzlich sind die Kommandeure in sehr genauen Miniaturen zu Pferde (etwa 4 x 5 cm) porträtiert.
Im Einzelnen handelt es sich um folgende beteiligte Personen:
An der Spitze Friedrich II. und Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin,
Am linken Flügel Oberst Carl Friedrich von Posadowsky (hier dargestellt als Gen. Maj.).
Erstes Treffen: Generallieutenant Christoph Wilhelm von Kalckstein, Generalmajor Joachim Christoph von Jeetze, Generalleutnant Heinrich Karl von der Marwitz, Generalmajor Prinz Dietrich von Anhalt-Dessau, Generalmajor Markgraf Karl Friedrich Albrecht von Brandenburg-Schwedt.
Am rechten Flügel Generalmajor von Kleist, Generallieutenant Graf Adolph Friedrich von der Schulenburg (hier noch dargestellt als Generalmajor).
Zweites Treffen: Generalmajor von Bredow, General Prinz Leopold II. Maximilian von Anhalt-Dessau (hier noch Generallieutenant), Generalmajor Prinz Heinrich.
Der rechte Teil der Rolle misst eine Länge von 64 cm und zeigt die Ansicht der Schlachtaufstellung der Preußen und Österreicher. Die Umgebung ist reduziert auf kolorierte Ansichten der umliegenden Dörfer und Städte, darunter Mollwitz (heute polnisch Malujowice), Hünern, das brennende Pampitz, Grüningen, der Festung Brieg an der Oder sowie Hermsdorf. Die Panoramen sind zwischen 10 und 20 cm breit und bis zu 15 cm hoch und bestechen durch ihre Detailtreue.
Neben der äußerst dekorativen Wirkung ist die vorliegende Rolle eine beeindruckende Hommage eines Unbekannten an den König und thematisiert den ersten großen, wenn auch verlustreichen Sieg Preußens im Ersten Schlesischen Krieg. Die monumentale Darstellung und die farbenprächtige und minutiöse Ausführung geben einen Eindruck von der Bedeutung dieser Schlacht für die Zeitgenossen und sind ein hervorragendes Beispiel für die Medialisierung des Ereignisses im 18. Jahrhundert. „Der Ruf dieser Schlacht war groß in Europa. Eine neue Militärmacht ist offenbar aufgetreten; … eine neue Stunde auf der Zeitenuhr (hat) geschlagen, ... eine neue Ära (ist) aufgegangen“ (Carlyle, Friedrich der Große, 1928, Bd. 3, S. 225 f.).
Nach dem Bruch der Pragmatischen Sanktion und der Besetzung Schlesiens, sah sich Friedrich II. im Frühjahr 1741 einer Allianz aus Engländern, Russen, Holländern, Sachsen und besonders Österreichern gegenüber. Der König konnte seine weit auseinanderliegenden Territorien nicht verteidigen und musste sich eigentlich auf seine Kernländer und das gerade gewonnene Schlesien konzentrieren. Als jedoch die Österreicher ihren Feldzug weitaus früher als erwartet begannen, kam Friedrich in Zugzwang. Um das Schlimmste und insbesondere den österreichischen Übergang über die Oder zu verhindern, eilten die überstürzt zusammengezogenen Preußen den Österreichern entgegen. Beide Armeen trafen sich am 10. April bei Mollwitz.
Dem österreichischen Heer in einer Stärke von 16.600 Mann stand ein zahlenmäßig überlegenes preußisches Heer mit 23.400 Mann gegenüber, das sich jedoch in dem Raum um Mollwitz nicht vollends zur Linie entfalten konnte. Bedingt durch die Setzung falscher Marschrichtungspunkte staute sich die Infanterie, der linke Flügel hing zurück und Friedrich nahm daher die freigewordenen Grenadierbataillone an den rechten Flügel. Wie der Schlachtverlauf erwies, war dies eine glückliche Entscheidung und der Anlass zur Konzeption der berühmten "schiefen Schlachtordnung". Zunächst hatte die österreichische Kavallerie die preußische Reiterei auseinandergesprengt, was den König später zu der Feststellung veranlasste: "die Kavallerie ist nicht wert, daß sie der Teufel holt". Schwerin drängte den König das Schlachtfeld zu verlassen, wendete aber die schon verloren geglaubte Schlacht durch das unter seiner Führung unbeirrt disziplinierte Vorrücken der Infanterie. In den Instruktionen Friedrichs II. heißt es hierzu: "Wenn ein Soldat sich während des Treffens nach der Flucht umsehen sollte, und zwar 1 Fuß breit aus der Linie sich begiebet, soll der hinter selben stehende Unter-Officier selben mit dem Kurzgewehre auf der Stelle durchstechen und massacriren." Die österreichiche Kavallerie musste sich schließlich zurückziehen. Nun stand die gedrillte preußische „Kriegsmaschine“ der weitaus unterlegenen österreichischen Infanterie gegenüber. Ein österreichischer Offizier sollte dies mit seinen Worten später so beschreiben: "Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Schöneres gesehen zu haben. Sie marschierten mit größter Contenance und so schnurgleich, als wenn es auf dem Paradeplatz wäre. Das blanke Gewehr machte in der Sonne den schönsten Effekt, und ihr Feuer ging nicht anders als ein stetiges Donnerwetter. Unsere Armee ließ den Mut völlig sinken."
Auch wenn die Schlacht von Mollwitz am 10. April 1741 keine Vorteile für Friedrich II. gebracht hatte und die Verluste höher lagen als die der sieglosen Österreicher, war Mollwitz doch ein Prestigeerfolg für das preußische Militär und den jungen König. Allein die Disziplin und Schlagkraft des in der Linie entwickelten Feuerorkans des Salvenfeuers, mit etwa einem Schuss pro zwölf Sekunden, ließen die taktisch überlegenen Österreicher verzweifeln und letztlich unter hohen Verlusten in den Rückzug übergehen. Der teuer erkaufte Sieg sollte später zum Mythos verklärt werden, selbst von Historikern wir Ranke: „Wie fühlte man dort so ganz die Bedeutung der Schlacht von Mollwitz, während derselben sind die Kinder auf den Straßen der Stadt auf die Knie gefallen, um für den Sieg des Königs von Preußen zu beten“ (Leopold von Ranke, Sämtliche Werke,1874, Band 11, S. 436.).
Das vorliegende monumentale Panorama der Schlacht ist ein beeindruckendes Beispiel für die schnell einsetzende Glorifizierung des Königs. Dass er aus Unerfahrenheit schwere strategische Fehler begangen hatte, wie den zu späten Angriff aufgrund des langwierigen lehrbuchmäßigen Aufmarschs, war rasch vergessen. Ebenso wem er den entscheidenden Sieg im Ersten Schlesischen Krieg und die Behauptung des kurz zuvor besetzten Schlesiens eigentlich verdankte: der Kaltblütigkeit seines Generals Schwerin und der von seinem Vater unermüdlich gedrillten und exerzierten Infanterie. „Dieses Mollwitz ist, wie der Leser sieht, eine höchst bedächtige, vorschriftsmäßige, gravitätische Waffentat; durchaus nach hergebrachter Regel und Methode, mit orthodoxer Genauigkeit auf eine langsame, gewichtige, fast pedantische, aber höchst unumstößliche Weise ausgeführt. Es ist der Triumph preußischer Zucht (und) tüchtig in die Tat umgesetzter militärischer Orthodoxie“ (Carlyle, a.a.O., S. 227).