Joseph Beuys - SONNENKREUZ

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Joseph Beuys

SONNENKREUZ
1947/1948

Bronze. 37 x 20,5 x 6,2 cm.

vgl. Friedhelm Mennekes (Hg.), Franz Joseph van der Grinten zu Joseph Beuys, Köln 1993, S.51 ff.

Die Sonnenkreuze wurden - laut Eva Beuys - in nur wenigen Exemplaren vom Kunstgießer der Düsseldorfer Kunstakademie gegossen. Sie unterscheiden sich geringfügig voneinander, da jeder Guss von Beuys ziseliert und nachgearbeitet wurde. Immer wieder hat sich der Künstler mit dem Motiv des Kreuzes und der Thematik der Kreuzigung auseinandergesetzt, wobei es sich bei dem "Sonnenkreuz" von 1947/1948 um die früheste bekannte Arbeit handelt.

"Bei Beuys sind Anklänge an vertraute Erscheinungsweisen eher die Schwelle zu einem neuen und weiterführenden Denken, das sich in die Grenzen der Dogmatik nicht gebunden sieht. Christus war für ihn nicht die historische Gestalt, sondern permanent, zu allen, auch den weit früheren Zeiten gegenwärtige Kraft, die durch liebendes Opfer trägt und weiterbewegt; dazu hat er sich zeitlebens bekannt. [...] Seine später formulierte plastische Vorstellung von Substanzumwandlung prägte sich auch hierin früh aus, so wie ihn die Frage des Weiterlebens nach dem Tod stets bewegt hat. Opfer bewirkt Erlösung, Leiden speichert Kraft, und der aus Ratio und Intuition permanent sich speisende Geist zeugt unablässig. Mag dies in der sprachlichen Formulierung ein Vorgriff sein, in der plastischen belegt es sich früh. Das 'Sonnenkreuz' von 1947/48 zum Beispiel läßt frei von den Balken, die ihn trügen, den Christus in einer Drehung sich strecken, die auch die des Tanzes sein könnte, die Arme ausgreifend vor einer rotierenden Sonne, und er selbst ist statt mit der Dornenkrone mit Weinlaub und Trauben gekrönt. Das Gesetz und der Impuls sind in ihm vereint, Ratio und Intuition, Apollon und Dionysos, und die Vereinigung der so lange Getrennten scheint die Tat der Erlösung selbst. Das Leiden ist somit nie isoliert und damit in Gefahr, sinnlos zu erscheinen, sondern stets überhöht und doch gleichgewichtig ergänzt durch das, was ihm den Sinn gibt." (Franz Joseph van der Grinten, in: Friedhelm Mennekes (Hg.), Franz Joseph van der Grinten zu Joseph Beuys, Köln 1993, S.51)

Provenienz

Privatbesitz, Niederrhein

Literaturhinweise

vgl. Wouter Kotte, Ursula Mildner, Das Kreuz als Universalzeichen bei Joseph Beuys. Ein Requiem, Stuttgart 1986, S.60 mit Abb.

Ausstellung

Kleve 1991 (Städtisches Museum Haus Koekkoek), Joseph Beuys, Kat.Nr.75, S.65 mit Farbabb.

vgl. Düsseldorf 1991/1992 (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen), Joseph Beuys, Natur Materie Form, Kat.Nr.39 mit Farbabb.

vgl. Krefeld 1991 (Kaiser Wilhelm Museum), Joseph Beuys, Plastische Arbeiten 1947-1985, Kat.Nr.1 mit Abb.

vgl. Berlin 1988 (Martin-Gropius-Bau), Joseph Beuys, Skulpturen und Objekte, Kat.Nr.1 mit Farbabb.

vgl. Aachen 1985 (Suermondt-Ludwig-Museum), Kreuz + Zeichen, Religiöse Grundlagen im Werk von Joseph Beuys, Kat.Nr.1, S.24 mit Abb.

Lot 637 D

Schätzpreis:
180.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
300.000 €