Max Liebermann - Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten

Max Liebermann - Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten - image-1
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Max Liebermann

Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten
1926

Öl auf Leinwand 71,5 x 94,5 cm Gerahmt. Unten links schwarz signiert 'M Liebermann'.

Im Jahr 1909 erwirbt Max Liebermann ein Grundstück am Ufer des Großen Wannsees und beauftragt den Architekten Paul Baumgarten mit der Errichtung eines zweigeschossigen Landhauses inmitten des langgestreckten Grundstücks. Die Gestaltung des Gartens bespricht er mit seinem Freund Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Eine ausführliche Korrespondenz zwischen dem Künstler und dem Kunsthistoriker geben Zeugnis von einer intensiven Beschäftigung des Museumsmannes mit historischen Vorbildern der Gartengestaltung unter der Berücksichtigung der Bedürfnisse des Malers und seiner Familie.
Vorne zur Straße wird ein Nutz- und Blumengarten angelegt, auf dem Grundstück hinter dem Haus zum Wasser hin wechseln Rasenflächen mit prospektartigen Heckengärten und frei gepflanzten Birken. Die nun entstehenden, zahlreichen Gemälde Liebermanns mit dem Garten als Motiv lassen dessen unterschiedliche Garten-Anlagen nachvollziehen und sind neben ihrer farblichen Pracht auch Dokument für einen Zustand, der heute nicht mehr erhalten, aber zum Teil rekonstruiert ist.
Über mehr als zwei Jahrzehnte malt Liebermann seinen Garten, und von Beginn an entsteht neben den bekannten Themen eine neue Facette in seinem umfangreichen Werk. Je mehr dem Künstler die Strukturen des Gartens, die Ordnung zwischen Wegen und Beeten vertraut werden und die Üppigkeit der Bepflanzung zunimmt, umso freier und leichter wird sein malerischer Blick auf den Ort der Ruhe fernab der Großstadt Berlin. Überwiegt in anfänglich entstehenden 'Porträts' der Gartenlandschaft noch der für Liebermann typische, am französischen Impressionismus angelehnte Malduktus, so befreit sich der Künstler Mitte der 1920er Jahre immer mehr von der strengen Ordnung der Gartenanlage und schwenkt seinen Blick buchstäblich zur Seite wie hier auf Staudenrabatten vor einer dichten grünen Waldfolie. Er wechselt damit nicht nur die Perspektive, sondern wechselt auch zu einer nahezu fauvistischen Farb- und Malpalette. Grün in Grün wechseln mehr oder weniger breite Pinselhiebe und wachsen zu einer undurchsichtigen Wand, vor der üppige Pflanzenstiele mit aufgesetzten dunkelroten und orange-farbigen Blüten stehen, gestaffelt über ein breites Beet am Rande eines gerade noch angeschnittenen, schräg nach rechts führenden Weges mit sauber gepflegter Kante, um dem ganzen Motiv eine gewisse Ausrichtung und gewissermaßen „Erdung“ zu verleihen. Klassische Landschaftsmalerei mit unberührter Natur wird von Liebermann virtuos auf die Spitze seines Könnens getrieben. Diese freie Naturentfaltung erscheint wie eine Befreiung von einer akademischen Ordnung, der nicht zuletzt auch Liebermann als strenger Juror über Jahre ein Gesicht gibt. Der Wannseegarten als Atelier ist für Liebermann eine willkommene Abwechslung zu seinem Wohnhaus und Atelier am Pariser Platz direkt neben dem Brandenburger Tor und schräg gegenüber der Akademie der bildenden Künste, wo Gäste der Gesellschaft empfangen und bisweilen porträtiert werden. Der Wannseegarten und die über hundert Bilder, die hier entstehen sind ein Zeugnis für den Weg des Künstlers, dem Wildwuchs der Natur näher zu kommen und ist mit diesem 'Porträt' der Blumenstauden quasi in ihn hineingetreten.

Werkverzeichnis

Eberle 1926/15

Provenienz

Ehemals Privatbesitz USA; Sammlung S., Zürich (1959); Galerie Grosshennig, Düsseldorf (1960); Rheinische Privatsammlung

Literaturhinweise

Hans Rosenhagen, Max Liebermann, Bielefeld-Leipzig 1927 (2. neubearbeitete Auflage), mit Farbabb. 80; Weltkunst, Jg. XXX, 1960, Nr. 4 mit Abb. S. 31 (Galerieanzeige von Grosshennig); Holly Prentiss Richardson, Landscape in the work of Max Liebermann, Phil.Diss. Brown University, Ann Arbor 1991, Vol. II, S. 263, Nr. 754

Ausstellung

Köln 1959, 458. Lempertz'sche Kunstversteigerung, Kunst des XX. Jahrhunderts, 5.12. 1959, Nr. 161 mit Abb. Tafel 11; Düsseldorf 1960 (Galerie Grosshennig), Meisterwerke der Malerei und Plastik des 19. Jahrhunderts, o.S. mit Abb.; Bonn 2011 (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland), Max Liebermann. Wegbereiter der Moderne, Kat. Nr. 134 mit Farbabb.

Lot 248 Dα

Schätzpreis:
400.000 € - 450.000 €

Ergebnis:
916.000 €