Emil Nolde - Der Jäger

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Emil Nolde

Der Jäger
1918

Öl auf Leinwand. 68,5 x 48,5 cm. Gerahmt. Oben rechts blau signiert 'Emil Nolde.' Rückseitig auf dem Keilrahmen oben links bezeichnet 'Emil Nolde: "Der Jäger"'. - In schöner originaler Erhaltung.

Wie üblich schreibt Emil Nolde den Titel seines Bildes direkt auf die Rückseite der Leinwand oder den Keilrahmen. Und so tut er dies auch dieses Mal und nennt sein Bild „Der Jäger“. Personalisiert den Porträtierten aber nicht weiter, etwa „Der Jäger Fite Hansen“, sondern belässt es bei der Berufsbezeichnung „Jäger“. Dieses Vorgehen ist typisch für Emil Nolde; nur wenige Porträts und dann ausschließlich die seiner Frau Ada oder nach deren Tod die Bildnisse seiner letzten großen Liebe Jolanthe erhalten den Namen im Titel.
Nolde malt Typen, Phänotypen, die regionale Merkmale zeigen ähnlich einer Landschaft oder ähnlich wie Blumen in seinen Rabatten und Gärten.
Noldes künstlerische Sprache ist gespickt mit delikater Stimmung, und sein Ausdruck ist leidenschaftlich gesteigert bis zu archaisch anmutender Stilisierung. Noldes Leben zwischen der Großstadt Berlin und der Landschaft im Norden, seine Reisen in die nahe Umgebung und nicht zuletzt die Exkursion in das ferne Neumecklenburg bieten dem Künstler anregende Vorlagen für seine bisweilen bizarr anmutenden ortsbedingten Physiognomien.
Mit dem Porträt des Jägers in grünem Janker vor einer Stubenwand mit einem von der Natur gezeichneten, rotwangigen Gesicht individualisiert Emil Nolde sein Gegenüber und bricht sogleich in einer für ihn typisch unorthodoxen Sicht- und Malweise mit der Konvention des Porträts. Noldes Blick auf den Jäger wirkt persönlich, und doch berücksichtigt er dessen Lebensumfeld eigentlich nicht, zu sehr füllt der Porträtierte in seiner direkten Frontalität das Format, verweisen wenige Indizien wie die Blüten und die golden schimmernde Buddhafigur im Hintergrund über der Schulter des Jägers auf den Ort der Entstehung, das Atelierhaus des Künstlers. Der Betrachter kann nachvollziehen wie Emil Nolde den Menschen beobachtet, über ihn nachdenkt und zu dieser abwartenden vielleicht auch skeptischen Haltung des Jägers vorrückt. Dieser wiederum vielleicht zweifelnd darüber ist, warum ein berühmter und erfolgreicher Künstler ausgerechnet ihn, den Jäger, bittet, für ein Porträt zur Verfügung zu stehen, sich auf den langen Malvorgang einzulassen.
Nolde gab das Gemälde in den Handel, und nach einem Briefzeugnis des Künstlers befand es sich im April des Jahres 1922 bei dem Galeristen Ludwig Schames in Frankfurt, einem der bedeutendsten Händler für Expressionismus in dieser Zeit. Wohl wenig später gelangte "Der Jäger" in den Besitz des Frankfurter Architekten Paul Paravicini, dem Nolde im Mai aus Utenwarf dann ein paar höfliche Zeilen schrieb: "Es freut mich das kleine Bild vom 'Jäger' in Ihrem Besitz zu wissen u. ich grüße Sie hochachtungsvoll Emil Nolde." (zit. nach einem Dokument, Archiv der Nolde Stiftung Seebüll).

Werkverzeichnis

Urban 821

Provenienz

Paul Paravicini, Frankfurt a. M. (1920/1921); Süddeutscher Privatbesitz (1950, von Paravicini erworben), seitdem in Famlienbesitz; Privatbesitz Schweiz

Literaturhinweise

Briefe Emil Noldes an Ludwig Schames, Frankfurt vom 6. IV.1922 und an Paul Paravicini, Frankfurt vom 9.V.1922, Archiv der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde

Ausstellung

Dresden (Januar) 1920 (Kunstausstellung Emil Richter), Emil Nolde, Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, Nr. 26; Frankfurt (April-Mai) 1920 (Kunstsalon Ludwig Schames), Emil Nolde, Nr. 13; Frankfurt 1922 (Ludwig Schames)

Lot 250 N

Schätzpreis:
350.000 € - 450.000 €