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Auktion 1110, Moderne Kunst, 01.06.2018, 17:00, Köln Lot 252

Franz Marc, Abstrakte Baumstudie

Franz Marc, Abstrakte Baumstudie, 1913, Auktion 1110 Moderne Kunst, Lot 252

Franz Marc

München 1880 - 1916 Verdun

Abstrakte Baumstudie

1913

Aquarell über Bleistift auf dünnem Papier (Skizzenblatt). 20 x 12,5 cm. Unter Glas gerahmt. Nicht signiert. - Unten links mit Bleistift von fremder Hand in Sütterlin mit der Seitenzahl "22a" bezeichnet. - Das Skizzenblatt mit Perforationsrand rechts, die linken Ecken abgerundet. - Durch die Technik bedingt wellig und mit Knitterungsspuren.

Hoberg/Jansen Bd. III Skizzenbuch XXXI, 1913, S. 22 a

Provenienz

Aus dem Nachlass des Künstlers; Maria Marc, Ried; Galerie Otto Stangl, München, Marc-Nachlass, Nr. 217; Rheinische Privatsammlung

Ausstellungen

München 1987 (Galerie Thomas), Expressionismus, Kat. Nr. 24 mit Farbabb.; München/Münster 1993/1994 (Staatsgalerie moderner Kunst München/Westfälisches Landesmuseum Münster), Franz Marc. Kräfte der Natur, Werke 1912-1915, Kat. Nr. 66 mit Farbabb.; Emden 1994 (Kunsthalle Emden), Franz Marc - Kräfte der Natur, Kat. Nr. 66 mit Farbabb.

„Meine Ziele liegen nicht in der Linie besonderer Tiermalerei. Ich suche einen guten, reinen und lichten Stil, in dem wenigstens ein Teil dessen, was mir moderne Maler zu sagen haben, restlos aufgehen kann. Und das wäre vielleicht ein Empfinden für den organischen Rhythmus aller Dinge, ein pantheistisches Sichheineinfühlen in das Zittern und Rinnen des Blutes der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft […].“ (Franz Marc. Schriften, hrsg. v. Klaus Lankheit, Köln 1978, S. 98).

In den Jahren 1912 bis 1915 entwickelt Franz Marc den Abstraktionsgrad von Form und Inhalt seiner Kunst beständig weiter und findet dabei zu einer immer engeren, unauflöslichen Verbindung von Natur und Schöpfung. Marcs Prozess der Abstraktion hat dabei ganz verschiedene Referenzen, etwa das Werk von Wassily Kandinsky und August Macke, den Futurismus Boccionis oder den Orphischen Kubismus eines Robert Delaunay. Dabei ist auffällig, dass neben seinen Tier- und Menschendarstellungen nur ein sehr geringer Teil seiner Werke Landschaftsschilderungen sind. Doch gerade Marcs Landschaftsformationen verstehen sich vielfach als besonders radikale Formkürzel, als Abbreviaturen organischer und anorganischer Fragmente. (vgl. Andrea Firmenich, Landschaft, Natur, Kosmos, Geist. Zur Entwicklung der Landschaft bei Franz Marc, in: Ausst. Kat. Franz Marc. Kräfte der Natur. Werke 1912-1915, Staatsgalerie moderner Kunst München und Westfälisches Landesmuseum Münster 1993/1994, S. 87 ff.). Die über eine Reihe von Dreiecksformationen fraktalisierte „Abstrakte Baumstudie“ weckt in ihrer minimalen Farbigkeit und kühlen Tonalität Assoziationen an die abgeschiedenen, dunklen Tiefen des Waldes, nicht jedoch ohne in dem kleinen roten Farbeintrag rechts unten an die spezifische Belebtheit der Natur zu erinnern. Auf der Suche nach dem Unbegreiflichen und Geheimnisvollen der Schöpfung gelangt Franz Marc hier zu einer kraftvoll-expressiven Naturstudie mit bemerkenswerter Dynamik.

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