Otto Dix - Blondes Mädchen mit losen Blumen (am Tisch sitzend)

Otto Dix - Blondes Mädchen mit losen Blumen (am Tisch sitzend) - image-1
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Otto Dix

Blondes Mädchen mit losen Blumen (am Tisch sitzend)
1948

Öl auf Hartfaserplatte 49,9 x 64,9 cm Gerahmt. Oben links schwarz mit dem Künstlersignum versehen und datiert '48'. Rückseitig wohl von fremder Hand mit schwarzem Stift betitelt "Kind mit Blumen". - Rahmungsbedingt unmittelbar an den Rändern leicht berieben, drei Ecken minimal gestaucht.

Anfang 1946 kehrt Otto Dix aus französischer Kriegsgefangenschaft zu seiner Familie nach Hemmenhofen am Bodensee zurück. Diese Zeit markiert eine Zäsur innerhalb seines Oeuvres, wandelt sich doch seine Malweise grundlegend: Die seit den 1930er Jahren gepflegte Lasurtechnik gibt er zugunsten einer expressiven alla prima Malerei auf, offenkundiger Ausdruck einer wiedergewonnenen Lebens- und Schaffensfreude. Diese manifestiert sich auch in der enormen Zahl von ca. 150 Gemälden, die er innerhalb von nur vier Jahren fertigt. Sein Augenmerk richtet Dix in erster Linie auf die unmittelbare Umgebung mit ihrer ländlichen Bevölkerung. Unter diesen Arbeiten fällt eine Reihe von Mädchendarstellungen auf, die bis 1957 entsteht und zu der auch das „Blonde Mädchen mit losen Blumen“ gehört.
Das von Dix porträtierte junge Mädchen sitzt in einem schlichten Sommerkleid, das Haar zum Dutt gebunden, an einem kleinen weißen Tisch im Freien. Am rechten Bildrand erhebt sich ein Baumstamm, der sommerlich blaue Himmel ist in schwungvoller, breiter Pinselführung im Hintergrund angelegt. Auf der weißen Tischplatte liegen einige rosafarbene Blüten, und die Porträtierte scheint vollkommen in das sorgfältige Betrachten und Arrangieren dieser Blumen versunken zu sein. Auffallend ist die reduzierte Farbpalette, die hier zur Verwendung kommt: Orange, Rosa, Blau und Weiß dominieren das Gemälde und unterstreichen die sommerliche Atmosphäre. Die Töne werden verschiedentlich in der Komposition wieder aufgenommen; so findet sich etwa das leuchtende Hellblau des Himmels an der vorderen Tischkante, in den Konturlinien des Kleides und den Augen des Mädchens wieder.
Wir erleben in diesen Jahren einen heiteren, gelösten Otto Dix, der die Dämonen der Vergangenheit offenbar überwunden hat. Mit empathischem Interesse erfasst er das für Kinder typische entrückte Eintauchen in eine Tätigkeit, möglicherweise spielte für ihn auch die Symbolik des aufblühenden Lebens eine Rolle.

Werkverzeichnis

Löffler 1948-20

Zertifikat

Wir danken Rainer Pfefferkorn, Otto Dix Stiftung, Vaduz, für ergänzende Informationen.

Provenienz

Sotheby’s London Juli 1970; Galerie Koch, Hannover (1974); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen; seitdem Familienbesitz Hessen

Lot 275 D

Schätzpreis:
50.000 € - 60.000 €

Ergebnis:
64.480 €