Auktion 1110, Moderne Kunst, 01.06.2018, 17:00, Köln Lot 329

Werner Schramm, Der Selbstmörder

Werner Schramm, Der Selbstmörder, 1919, Auktion 1110 Moderne Kunst, Lot 329
Werner Schramm, Der Selbstmörder, 1919, Auktion 1110 Moderne Kunst, Lot 329
Werner Schramm, Der Selbstmörder, 1919, Auktion 1110 Moderne Kunst, Lot 329
Werner Schramm, Der Selbstmörder, 1919, Auktion 1110 Moderne Kunst, Lot 329

Werner Schramm

Duisburg 1898 - 1970 Düsseldorf

Der Selbstmörder

1919

Öl über Bleistift auf Holz. 66 x 53 cm. Gerahmt. Oben rechts schwarz monogrammiert und datiert ,WS 19'. In der Komposition beschriftet ,GEWIDMET ROMAIN ROLLAND' und mit der Zahl '38' versehen. - Rückseitig mit einem numerischen Papieraufkleber vom "Kunstpalast Düsseldorf" und dem Aufkleber eines Düsseldorfer Möbellagers, darin maschinenschriftlich bezeichnet "Schramm". - Rahmungsbedingt längs der Ränder berieben mit kleinen Farbverlusten.

Provenienz

Nachlass des Künstlers; Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen

Düsseldorf 1922 (Galerie Johanna Ey), Junges Rheinland; Düsseldorf 2005 (Galerie Remmert und Barth), 25 Jahre Remmert und Barth 1980-2005. Ausgewählte Werke, Kat. Nr. 179 mit Farbabb.

Literatur

Das Junge Rheinland, 5. Heft, 1. Febr. 1922, mit Abb. S. 8; vgl. Liselotte Schramm-Heckmann (Hg.), Werner Schramm und Liselotte Schramm-Heckmann, Stuttgart 1976, S. XIX ff.; Ulrich Krempel (Hg.), Am Anfang: Das Junge Rheinland. Zur Kunst- und Zeitgeschichte einer Region 1918-1945, Ausst. Kat. Städtische Kunsthalle Düsseldorf 1985, S. 94 und 337

Werner Schramms verstörende Darstellung des „Selbstmörders“ versteht sich als bedeutendes Meisterwerk aus den frühesten Jahren des Künstlers. 1898 in Duisburg geboren, entscheidet sich Schramm für eine Ausbildung an der Münchener Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, wo er sich nach Kriegsende als Mitglied des jungen Rheinlands einen ganz eigenen Weg zwischen Expressionismus und Abstraktion bahnt. Zwischen 1920 und 1922 arbeitet er zunächst unter Louise Dumont und Gustav Lindemann als Bühnenbildner am Schauspielhaus Düsseldorf, bis 1925 auch an anderen Häusern der Region. Es verwundert nicht, dass sich die Kriegserfahrung wie bei vielen seiner Generation in einer von enormer Drastik geprägten Formensprache und Motivik niederschlägt, die Schramm mit einer enigmatischen Symbolik erweitert, etwa in Form der Weltkugel, dem Kreuz, dem Herz oder der Zahl „38“. Wie in unserem Gemälde oder der bei Alfred Flechtheim verlegten Druckgraphik (s. Vergleichsabbildung) erinnern seine Werke mit radikaler Unmittelbarkeit an eine traumatisierte, aus den Fugen geratene Welt.

In diesem Kontext muss auch die Widmung an den französischen Schriftsteller und Pazifisten Romain Rolland verstanden werden, der mit seiner Kritik an der Kriegspolitik des deutschen wie des französischen Lagers eine Symbolfigur der transnationalen Antikriegs- und der internationalen Arbeiterbewegung während des I. Weltkrieges geworden war. Rollands kritische Artikelserie „Au-dessus de la mêlée“ („Über dem Getümmel“) hatte neben seinem Roman „Jean-Christophe“ großen Anteil daran, dass er 1916 für die nachträgliche Vergabe des Literaturnobelpreises von 1915 ausersehen wurde.

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