Werner Scholz - Witwen (Die beiden Witwen)

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Werner Scholz

Witwen (Die beiden Witwen)
1931

Öl auf Karton, auf dünne Hartfaserplatte (75 x 74,9 cm) aufgezogen 74,3 x 74,5 cm Gerahmt. Unten rechts schwarz monogrammiert und datiert 'WS 31'. - Ursprünglich ein doppelseitig bemalter Karton, verso mit dem Gemälde "Matrose und Priester" von 1930 (vgl. die Angaben bei Grasse). - Der Bildträger mit zwei optisch unauffälligen Flickstellen im Bereich der schwarzen Mäntel und einem vertikalen Einriss unterhalb des Kinns der linken Figur. Die Kanten stellenweise bestoßen mit vereinzelten minimalen Farbausbrüchen.

Der junge Künstler kehrte aus dem I. Weltkrieg 1919 schwer verletzt nach Berlin zurück, er hatte 1917 seinen linken Unterarm verloren. 1920 bezog er nach Studien an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin sein erstes Atelier. Bilder aus dem Frühwerk sind heute sehr rar geworden. Scholz unterlag nicht nur dem Bildersturm der Nationalsozialisten, auch sein Atelier in Berlin wurde 1944 durch Bomben vernichtet. Es ist wichtig festzustellen, dass sein malerisches Werk, seine Ölbilder und Pastelle, um 1930 zu einem ersten künstlerischen Höhepunkt gelangten. Scholz war vor 1933 nicht nur in bedeutenden Galerien präsent (Neumann-Nierendorf 1930, Schames 1931), auch kam es zu ersten Museumsankäufen durch die Nationalgalerie Berlin und das Wallraf-Richartz Museum in Köln. Geprägt war er vom Expressionismus der "Brücke", spezifischer noch vom Werk Emil Noldes, einem Maler, der damals in seinem Zenit stand. Umgekehrt ist überliefert, dass Nolde frühzeitig auf Scholz aufmerksam wurde, ihn förderte und noch vor 1937 zu einer letzten Ausstellung im Märkischen Museum in Witten mit 21 Gemälden vermittelte.
Die frühen schicksalhaften Erlebnisse gaben dem Künstler eine Prägung, die zweifellos seine Malerei beeinflusste. Sie befähigten ihn zur aufmerksamen, kritischen wie einfühlsamen Beobachtung menschlicher Verhältnisse und Lebenssituationen. Dennoch zeigen die heute überlieferten Werke aus der schwierigen Zeit zwischen den Weltkriegen keine illustrativen, plakativen oder gar revolutionären Absichten. Darin ist der Künstler recht einzigartig und Nolde verwandt. Es fällt die Konzentration auf das Figurale auf, auf die Sparsamkeit und Kargheit der inhaltlichen Angaben, gesteigert durch die künstlerische Form, die expressiv verkürzt ist und die Realien abstrahiert hat. Es kommt zu einer eigentümlichen, fast monumental wirkenden Bildsprache von schwerblütiger aber großer Ausdruckskraft. Das Gemälde "Witwen" von 1931 ist eines dieser rar gewordenen Werkbeispiele aus der Zeit.
Es war Hans-Georg Gadamer, der in seinem bekannten Essay zu Werner Scholz Gültiges zusammenfasste: "Überzeugend ist die Konstruktionskraft der frühen Bilder. Sie suchen nicht einen flüchtigen Reiz einzufangen, sondern noch die flüchtigste Bewegung ist in ein Gefüge fester Bezüge eingespannt, die ihm etwas Monumentales verleihen. [...] Es sind alles sehr volkstümliche Szenen, die auf diesen Bildern erscheinen. Und doch sind es nicht eigentlich Genre-Bilder. Es fehlt das naive Einverständnis mit dem beobachteten Leben. Es ist etwas anderes, was der Maler aus diesem Leben heraussieht. [...] man kann vielleicht zusammenfassend sagen, daß in all diesen Bildern die Schleier menschlicher Verbindlichkeit zerrissen werden und das Nackte von Leiden und Leidenschaft einen förmlich überfällt. Aber es ist in all diesen Bildern nicht Anklage, sondern grimmige Bejahung. So ist es. Das alles ist wirklich. Das alles muß man sehen, es mitleiden ohne Mitleid." (Hans-Georg Gadamer, Werner Scholz, Recklinghausen, 1968, S. 19 f.)

Werkverzeichnis

Grasse S. 155 ("Witwen")

Provenienz

Galerie Wolfgang Ketterer München, Werner Scholz. Ölgemälde, Pastellzeichnungen, 25.1.-24.2.1968, Nr.13 mit Abb.; Galerie Fricker, Paris (1973); Sammlung Gabriel Sabet, Nachlaß; Sotheby's London, Impressionist and Modern Art, 24. März 1999, Lot 321 mit Abb. (mit der getrennten Rückseite Lot 318 "Le Marin et Le Prêtre"); Galerie Werner Fischer, Berlin; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

Solingen 2017/2018, (Kunstmuseum Solingen - Zentrum für verfolgte Künste), Wider den schönen Schein der Welt. Der Expressionist Werner Scholz, S. 37 mit Farbabb.

Lot 340 D

Schätzpreis:
35.000 € - 45.000 €

Ergebnis:
37.200 €