Auktion 1111, Zeitgenössische Kunst, 02.06.2018, 14:00, Köln Lot 623

Franz Gertsch, Natascha II

Franz Gertsch, Natascha II, 1986, Auktion 1111 Zeitgenössische Kunst, Lot 623

Franz Gertsch

Möhringen/Bern 1930

Natascha II

1986

Original-Farbholzstich auf Japan. 117 x 95 cm. Unter Glas gerahmt. Signiert und nummeriert. Exemplar V/4/7 aus einer Gesamtauflage von 37 Exemplaren. Edition Turske & Turske, Zürich. - Mit leichten Altersspuren.

Mason 5 b V

Provenienz

Turske & Turske, Zürich (mit rückseitigem Aufkleber); Privatsammlung, Schweiz

„[…] mein Bestreben geht dahin, Wesenheiten darzustellen. Anfangs war es das Wesen Mensch, das mir am besten in einem Frauenbildnis darstellbar zu sein schien. Später wurde es das Wesen Wasser, das Wesen Stein, das Wesen Pestwurz. Ich versuche dabei, ebendieses Wesenhafte in seinem ‚So-Sein' in diesem Moment, also im ‚Jetzt', darzustellen. In meinen Bildern mache ich die Erinnerung zum Jetzt, und das Jetzt dehne ich dann in der in sich ruhenden Darstellung aus … dass die Welt wieder die Realität zurückbekommt, die ich so sehr liebe.“ (Franz Gertsch in: Andrea Firmenich (Hg.) Franz Gertsch, Holzschnitte, Aus der Natur gerissen, Ausst.Kat Museum Sinclair-Haus, Köln 2013, S.23).

Die Arbeit „Natascha II“ zählt zu der ersten Holzstich-Portraitserie, die nach Photographien entsteht, die Franz Gertsch von einer Bekannten aufgenommen hat. „Natascha“ füllt den Bildraum geradezu aus, rückt nah an den Betrachter heran, wird am oberen Rand sogar beschnitten, den Blick auf den Betrachter gerichtet, klar aber ruhend.

Mit dem Holzstich, unabhängig ob Landschaft oder Portrait, erschafft Gertsch monochrome Farbräume. Jede Farbe ist nach eigenen Aussagen weder naturalistisch noch atmosphärisch gemeint. Die Auswahl entzieht sich jeder rationalen Kontrolle und ist vielmehr abhängig von einem subjektiven Befinden zu einem spezifischen Zeitpunkt. Die Farben bestehen aus reinem Pigmentpulver, das Franz Gertsch aus Kyoto beziehungsweise aus dem Allgäu bezieht, und das er mit Ölbindemittel mischt. Der Künstler erstellt seine Holzstiche auf Langholz und verwendet für die Serie Natascha I-V Birnbaumholz. Abgezogen werden die Stiche zumeist auf Japanpapier.

Franz Gertsch gibt seine Frauenportraits in den Holzstichen so realistisch und getreu wie möglich wieder, ohne zu idealisieren, ohne dabei Wert auf spezifische persönliche Details oder markante Charakterzüge in der Mimik zu legen. Im Gegensatz zu seinen lebensnahen, monumentalen, gemalten Portraits, werden die Portraits durch den Holzstich und mithilfe der monochromen Farbgebung der Realität entrückt und somit auf das Wesenhafte der dargestellten Person reduziert.

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