Günther Förg - Ohne Titel

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Günther Förg

Ohne Titel
1990

Acryl auf Blei auf Holz. 180 x 110 cm. Rückseitig auf dem Holz signiert und datiert 'Förg 90' sowie beschriftet '65/90'. - Mit Atelierspuren.

Es besteht kein Zweifel: Günther Förg hatte eine wunderbar freizügige, künstlerische Haltung, mit der er die Wechselwirkungen und das Zusammenspiel der Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Fotografie ausreizt und eine ungemein wirkungsvolle Ästhetik in Werkfolgen und -serien entwickelt. Förg bezieht sich dabei immer wieder auf führende Repräsentanten der Moderne wie Piet Mondrian, Josef Albers, Barnett Newman, Ellsworth Kelly, Frank Stella, Clyfford Still oder Blinky Palermo und deren konsequent thematische Festlegung, etwa in konkreten und monochromen Strukturen, die Förg als legitimes Ausgangsmaterial für seine eigenen Arbeiten betrachtet. So bedient er sich oder besser er anverwandelt das Empfundene, Gesehene und schafft hieraus Kompositionen von absolut ausgeglichener Beziehung, welche das jetzt sichtbare Bild als einen Ausschnitt aus dem gleichartigen Bilder-Universum erscheinen lässt. „Wer nicht Vorbildern und Zitaten auf die Spur kommt, verkennt Förgs Werk“, so der Kunstsammler Reiner Speck. Und in der Tat, Förg spielt mit dem schnellen Impuls der Wiedererkennung, steht zu dem unvermeintlichen ah-ja-klar, provoziert ein Déjà-vu, um gleichzeitig mit einer elegant dekorativen - um nicht (jedes Mal) wieder verblüfft zu sagen - ungemein anmaßenden Schönheit zu punkten. Und dabei gibt es sie doch, die feinen Unterschiede trotz aller Gemeinsamkeiten und Wiederholungen, etwa hier der provokative Einsatz von dünn ausgewalztem Blei und nicht die kategorische Leinwand als Bildträger, Zusammenstellung und Verhältnisse zweier monochromen Farbräume, eine ganz dezidiert gewählte Monochromie, mit wohlgesetzter Farbkombination, ungemein ästhetisch und in der Ausführung einer, für den Künstler typisch, eleganten Einfachheit. Die Zweiteilung wird hier mit dem Kontrast zwischen den Tönen „Blei“ und ein „rostähnliches Corten“ oder dort mit „kobaltblau“-ähnlichen und „türkis“-ähnlichen Werten gesetzt. Das auf der formalen Ebene scheinbar klar ersichtliche Kompositionsprinzip erzielt also mit den instinktiv und impulsiv gewählten Farbtönen, den ungewöhnlichen Trägern und dem gewählten Format eine optische wie atmosphärisch überraschende Bestimmtheit.

Zertifikat

Die vorliegende Arbeit ist im Archiv des Estate Günther Förg registriert. Wir danken Michael Neff vom Estate Günther Förg für die freundliche Bestätigung der Authentizität dieser Arbeit.

Provenienz

Direkt vom Künstler; Privatsammlung, Süddeutschland

Lot 635 D

Schätzpreis:
150.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
248.000 €