Roelant Savery - Landschaft mit Rundturm und Bogenbrücke, im Vordergrund Wasser- und Wattvögel

Roelant Savery - Landschaft mit Rundturm und Bogenbrücke, im Vordergrund Wasser- und Wattvögel - image-1
Roelant Savery - Landschaft mit Rundturm und Bogenbrücke, im Vordergrund Wasser- und Wattvögel - image-1

Roelant Savery

Landschaft mit Rundturm und Bogenbrücke, im Vordergrund Wasser- und Wattvögel

Öl auf Leinwand (doubliert). 68,5 x 99,5 cm.
Signiert und datiert unten rechts: Roelant Savery 1625.

Unser großformatiges Gemälde des niederländischen Malers Roelant Savery zeigt eine eindrucksvolle Fülle unterschiedlichster Vögel in einer paradiesisch anmutenden Landschaft, die ihrerseits zahlreiche verschiedene Pflanzen und Bäume aufweist. Bühnenartig in den Vordergrund gerückt finden sich friedlich vereint exotische Vögel wie ein ursprünglich in Neuguinea beheimateter Kasuar, ein Strauß und Papageien sowie heimische Vögel aller Arten, wie Störche, Schwäne, Enten und Hühner. Mächtige, baumbestandene Felshänge rahmen den Durchblick in den Mittel- und Hintergrund, wo die üppige Vogelwelt durch die Darstellung zweier für Savery charakteristischer weißer Pferde bereichert wird. Als „point de vue“ dient ein in helles Licht getauchter und von Wasser umgebener Rundturm, zu dem eine steinerne Bogenbrücke führt.
Die Fahrten holländischer Schiffe nach Ostindien und Südamerika haben in der Zeit Saverys viele exotische Vögel in Europa bekannt gemacht. Der Künstler hatte darüber hinaus aber noch eine weitere Quelle für seine fundierten Darstellungen exotischer Tiere: Ab 1603 hielt sich Savery für rund ein Jahrzehnt am Prager Hof von Rudolf II. auf, wo er in der berühmten Tiermenagerie des Kaisers außergewöhnliche und seltene Exemplare studieren, skizzieren und später in seine Gemälde integrieren konnte. In der ebenso legendären Kunst- und Wunderkammer des Habsburger Monarchen konnte Savery sogar einen ausgestopften Dodo bewundern, einen etwa einen Meter großen, flugunfähigen Vogel, der ausschließlich auf Mauritius vorkam und Ende des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist. Savery hat diesen Vogel in einige seiner Werke integriert, beispielsweise in der deutlich kleineren „Landschaft mit Vögeln“ des Kunsthistorischen Museums in Wien (Inv.-Nr. GG 1082).
Roelant Savery, in Kortrijk geboren, entstammte einer Familie, die zahlreiche bedeutende Künstler hervorbrachte. Die Familie floh vor dem Einmarsch der Spanier nach Haarlem, wo Roelant bei seinem älteren Bruder Jacob in die Lehre ging. Beide Brüder siedelten 1591 nach Amsterdam über, wo sich Roelant bis zu seiner Abreise nach Prag als Landschafts-, Tier- und Stilllebenmaler etablierte. Nach seiner Rückkehr aus Prag lebte Savery zunächst wieder in Amsterdam, bevor er 1618 nach Utrecht zog. Dort ist auch unser 1625 datiertes Gemälde entstanden und der Künstler 1639 gestorben.
Kurt J. Müllenmeister hat unser Gemälde auf der Grundlage von Fotografien in sein 1988 erschienenes Werkverzeichnis aufgenommen. Anlässlich der Vorbesichtigung der Christie's-Auktion hat er das Gemälde 1991 in New York persönlich in Augenschein nehmen können und dem Käufer die Eigenhändigkeit Saverys mündlich bestätigt.

Provenienz

Auktion Sotheby's, London, 3.12.1969, Lot 41. – Frost & Reed, London. – Auktion Christie’s, New York, 11.1.1991, Lot 17. - Süddeutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

Kurt J. Müllenmeister: Roelant Savery. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1988, S. 271, Nr. 162 (mit Abb.).

Lot 1533 Dα

Schätzpreis:
180.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
322.400 €