Emil Nolde - Dschunken

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Emil Nolde

Dschunken
1913

Aquarell auf Japanpapier 28,5 x 32,7 cm Unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Bleistift signiert 'Nolde'. - Die Ränder rückseitig schmal mit Japanpapier gefasst.

„China. Du liegst drüben und dein Meer ist wirklich gelb. Je mehr wir uns China näherten, um so gelber wurde das Wasser. Der mächtige Huang Ho führt sein Lehmwasser ins Meer. […] Langsam ging es den großen breiten Strom hinan, bis es nicht mehr ging, wir streiften den schlammigen Grund. Wir legten an und wurden ausgebootet. Zwischen Chinesen und Chinesenfrauen sitzend ging es mit der Bahn nach Peking.“ (Emil Nolde, Welt und Heimat. Die Südseereise, Köln 1965, S. 40). Als Mitglied der medizinisch-demographischen Expedition nach Deutsch-Neuguinea reist Nolde als Illustrator mit. Nach der Überlandreise durch China erreicht das Ehepaar Nolde Hankau, und Nolde ist begeistert. „Auf dem Wasser war das Leben und Gedränge ähnlich und doch wieder ganz anders. Hunderttausend Menschen haben hier ihren Wohnsitz in den Dschunken, und diese Dschunken liegen in Massen zu beiden Seiten des Flusses. […] und wir fuhren, wir kniffen uns durch oder lagen zwischen den Dschunken eingeklemmt […]. Mein Zeichnen hatte während ein paar Wochen geruht. Hier war dies unmöglich. Mit Pinsel und Farbe arbeitete ich wie ein Besessener; […] alles Bilder um mich, reichstes tobendes Leben, Spiegelungen, Boote […] und dazwischen der Dunst. [...] Wir fuhren mit einem kleinen Dampfer den Yangtsekiang hinunter, eine wunderbare Fahrt - begegnend oder abwärts segelnd unzählige Dschunken. Dschunken mit weißen oder farbigen hohen, herrlichen Segeln. Dies alles war meine Lust, mein Element, dieses Leben und Treiben auf dem Wasser mit den langen Spiegelungen der Segel, sei es von einzelnen Booten oder von reizvollen Gruppen.“ (Ders., op.cit., S. 46 f.).
In kalligraphischer, schwungvoller Einfachheit bannt Nolde die flüchtigen Phänomene der chinesischen Gewässer aufs Papier. Es entstehen zahlreichen Dschunken-Aquarelle und Tuschpinselzeichnungen. Das vorliegende zeichnet sich durch seine wohlportionierte Auslotung des maritimen Raums, seine prägnant reduzierte Farbigkeit und seinen ungewöhnlich guten Erhaltungszustand aus.

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Klockries, vom 23. Juli 2018. Das Aquarell ist in seinem Archiv verzeichnet unter "Nolde A - 92/2018".

Provenienz

Privatsammlung Baden-Württemberg

Lot 208 D

Schätzpreis:
45.000 € - 55.000 €

Ergebnis:
99.200 €