Auktion 1121, Moderne Kunst - 30. November 2018, 30.11.2018, 17:00, Köln Lot 218

George Grosz, Berliner Salon

George Grosz, Berliner Salon, 1920, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 218

George Grosz

1893 - Berlin - 1959

Berliner Salon

1920

Tuschfederzeichnung (Feder und Rohrfeder) auf leicht genarbtem Zeichenpapier aus einem Zeichenblock (obere, untere und linke Kante mit Perforation). 35,7 x 27,4 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert 'Grosz'. - Im ehemaligen Passepartout-Ausschnitt leichter gebräunt mit Lichtrand, insgesamt mit kleinen Stockflecken.

Mit einer Foto-Expertise und einem Gutachten von Ralph Jentsch, Berlin/Rom, vom 26. September 2018; die Arbeit wird in den in Vorbereitung befindlichen Catalogue Raisonné der Papierarbeiten von George Grosz aufgenommen.

Provenienz

Atelier des Künstlers; Deutsche Privatsammlung, seitdem in Familienbesitz

Wie Ralph Jentsch in seinem Gutachten ausführt, plante George Grosz noch vor dem I. Weltkrieg ein großes, dreibändiges Kompendium mit dem Titel "Die Häßlichkeit der Deutschen". Vergleichbare Inhalte beherrschen die Zeichnungen und Aquarelle der Zeit. Ein schönes Beispiel für seine charakterlichen Typisierungen, die sich im Oeuvre programmatisch wiederholen, ist die vorliegende Darstellung "Berliner Salon" von 1920. Alle fünf Figuren in dem kompositorisch dicht entwickelten Interieur sind menschliche Karikaturen ihrer selbst, Stereotypen, die nicht nur illustrativ der Erzählfreude dienen, sondern vor allem für die von Grosz intendierte politische Gesellschaftskritik stehen. In Hunderten von Papierarbeiten zeigte er die Schatten- und Kehrseiten menschlicher Natur wie er sie beobachtete - und entblößte Brutalitäten, heillose Machenschaften, Lüge und Doppelmoral. Für ihn sind es diese Eigenschaften, die zu Krieg, Ausbeutung und unsäglichem Elend führten. Sie rechtfertigten und begründeten schließlich die Radikalität, mit der er sie künstlerisch verarbeitete.

Die Figur des kahlköpfigen Mannes im Vordergrund findet sich sehr ähnlich in der Zeichnung "Dr. Huelsenbeck am Ende", die in dem 1922/1923 erschienenen Mappenwerk "Ecce homo" reproduziert wurde (Dückers S I, 40). Technisch benutzte Grosz in seinen Zeichnungen gerne verschiedene Federn unterschiedlicher Stärke und konnte so in einer typischen Manier Umrisse und Details der Linienführung optisch akzentuieren.

Angesehene Lose

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