Auktion 1121, Moderne Kunst - 30. November 2018, 30.11.2018, 17:00, Köln Lot 219

Alexej von Jawlensky, Portrait Frau Kirchhoff

Alexej von Jawlensky, Portrait Frau Kirchhoff, 1925 N. 46, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 219
Alexej von Jawlensky, Portrait Frau Kirchhoff, 1925 N. 46, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 219
Alexej von Jawlensky, Portrait Frau Kirchhoff, 1925 N. 46, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 219
Alexej von Jawlensky, Portrait Frau Kirchhoff, 1925 N. 46, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 219

Alexej von Jawlensky

Torschok bei Twer/Russland 1864 - 1941 Wiesbaden

Portrait Frau Kirchhoff

1925 N. 46

Öl auf leinenstrukturiertem Papier auf Karton. 42,4 x 32,6 cm. Gerahmt (Ursprungsrahmung von Museumsrahmung umfasst). Unten links rot monogrammiert ' A.J'. - Rückseitig auf der alten Rahmungsrückseite mit schwarzer Tusche eine persönlich adressierte Widmung von Helene von Jawlensky und André Jawlensky an den Vorbesitzer, Wiesbaden, Weihnachten 1956. - In schöner ursprünglicher Erhaltung. Stellenweise altersbedingt mit minimalen Verschmutzungen.

M. Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/Angelica Jawlensky 1229

Nach freundlicher bestätigender Mitteilung von Angelica Jawlensky Bianconi, Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto, ist das Gemälde möglicherweise um 1926 zu datieren (Cat. Rais. "!925").

Provenienz

Aus dem Nachlass des Künstlers, Helene Jawlensky; Geschenk an den ehemaligen Vorbesitzer, Privatbesitz Wiesbaden (1956), seitdem in Familienbesitz

Ausstellungen

Frankfurt/Hamburg 1967 (Frankfurter Kunstverein/Hamburger Kunstverein), Jawlensky, Kat. Nr. 46 mit Abb. ("Bildnis Frau T.K."); Wiesbaden 1991 (Museum Wiesbaden), Alexej von Jawlensky zum 50. Todesjahr. Gemälde und graphische Arbeiten, Kat. Nr. 64 mit Farbabb. S. 128; Wiesbaden 2017/2018 (Museum Wiesbaden), Der Garten der Avantgarde. Heinrich Kirchhoff: Ein Sammler von Jawlensky, Klee, Nolde..., o. Kat. Nr., S. 332 mit Farbabb.; Museum Wiesbaden 2013-2018, Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Aus einer großen Einzelausstellung Jawlenskys im Neuen Museum Wiesbaden 1921, die zuvor in Frankfurt in der Galerie Schames gezeigt worden war, erwarb Heinrich Kirchhoff erstmals fünf Gemälde von Alexej von Jawlensky. Seine Sammlung soll nach aktuellen Erkenntnissen insgesamt gut über 120 Werke des Künstlers umfasst haben. Jawlensky blieb nicht nur ihm, auch der Familie und seiner Frau Tony Kirchhoff auf das engste verbunden. Es entwickelte sich eine dauerhafte und vertrauensvolle Freundschaft und ein sehr herzlicher Umgang (vgl. Ausst. Kat Wiesbaden, op. cit., S. 291 f.). Beeindruckt von dem kunstverständigen und kreativen Gesellschaftszirkel, den Heinrich Kirchhoff etablierte, hatte sich der Künstler 1921/1922 entschlossen in Wiesbaden zu bleiben. Er sollte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa seines Freundes und Förderers leben und arbeiten.

Als eines mehrerer Porträts, die Jawlensky von Tony Kirchhoff schuf, stellt man bei dem angebotenen Werk, das im Besitz des Künstlers verblieb und erst von Helene Jawlensky persönlich einer Freundin der Familie geschenkt wurde, schnell fest, dass künstlerisch nicht unbedingt das Ebenbild, nicht die individuelle Wiedergabe der Person intendiert ist, sondern eine abstrahierte, bildnerische Synthese. Der weibliche Kopf mit dem gewellten Haar, leicht nach rechts gewendet, ist von fast klassizistischer Idealität. In der Form statuarisch groß gesehen, ist die Detailzeichnung auf die notwendigen Angaben beschränkt und durch dunkle Konturen definiert. Der Blick der Dargestellten scheint abwesend, wie sinnend nach Innen gerichtet. Die Komposition, deren vertikale und horizontale Zentralachsen sich unmerklich dem goldenen Schnitt nähern, erzeugt eine ruhige, harmonische Ausstrahlung, und das Auge des Betrachters erscheint nachhaltig beeindruckt. Die klassische Form wird ergänzt durch eine expressive, aber zart gemilderte Farbchromatik und eine gelöste Pinselführung, die den Malgrund nicht völlig deckt. Wie weichzeichnend erscheinen zudem die Schwärzen in der malerischen Oberfläche von Jawlensky nachbearbeitet und in ihrer Strenge zurückgenommen, ohne dass die Klarheit des Bildaufbaus oder die Wirkung der Farben gefährdet wäre. Jawlensky gelingt in seiner Kunst die Darstellung eines Paradox: das abstrahierte Frauenbildnis erscheint anonymisiert, seiner Wiesbadener Geschichte und seiner Zeit bewusst enthoben, zugleich ist es als Porträt überaus "modern", fast modisch, atmet förmlich den Geist der Zwanziger Jahre.

Vergleichsabbildung: Jawlensky in Wiesbaden Anfang der 1920er Jahre (Foto aus dem Nachlass Mieze Binsack, geb. Kirchhoff, Wiesbaden)

Aus: R. Zieglgänsberger u. S. Discher (Hg.), Der Garten der Avantgarde. Heinrich Kirchhoff. Ein Sammler von Jawlensky, Klee, Nolde…, Ausst. Kat. Museum Wiesbaden 2017/2018, S. 329 (mittig Alexej von Jawlensky, links von ihm Tony und Heinrich Kirchhoff mit Tochter Maria Kirchhoff)

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