Wassily Kandinsky - La forme tournée

Wassily Kandinsky - La forme tournée - image-1
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Wassily Kandinsky

La forme tournée
1938

Aquarell und Gouache auf schwarzem Papier, auf cremefarbenem Unterkarton 49 x 30 cm Unter Glas gerahmt. Unten links weiß monogrammiert und datiert 'K/38' sowie verso handschriftlich nummeriert, betitelt, datiert und bezeichnet '11819 - 21 - No 591 - "La forme tournée" - 1938 - 30 x 49,5 4.' - In schönem Erhaltungszustand.

„Jede Form im Einzelnen ist erfunden, und doch ist das Ganze eine Realität; sie hat mit der gewohnten nichts mehr zu tun und fängt sie doch fast unerklärlich auf einer anderen Ebene wieder ein. Sternenhimmel ist nicht Sternenhimmel, Tier nicht Tier, Theater nicht Theater, es gibt keine Beziehung zu den Endformen der Natur, wohl aber Analogien zu ihren Wachstums- und Gestaltungsgesetzen.“ (Will Grohmann, Kandinsky, Köln 1961, S. 234) - so fasst Will Grohmann Wassily Kandinskys Werk der ausgehenden 1930er Jahre in Paris zusammen.
Mit seinem Entschluss zur Übersiedelung nach Frankreich wandelt sich das Werk des Künstlers. Mittlerweile Mitglied der Vereinigung "Abstraction-création", zeichnen sich seine Werke nun in vielerlei Hinsicht durch einen hybriden Charakter aus, der Konstruktion mit Intuition, biomorph-organisch mit naturwissenschaftlich-technisch anmutendem Formenvokabular verknüpft.
Sind viele von Kandinskys Gouachen der Pariser Zeit von einer musikalisch-leichten Zartheit, so wirkt die Komposition der „umgekehrten Form“ unverkennbar kühl. Wie schematisierte Kämme oder Rechen scheinen die weißen Formen herabzuregnen, überlagert von halbtransparenten farbigen Linsen, unterhalb derer sich ihre (Nicht-)Farbigkeit umkehrt. In dieser Gegenüberstellung scheinen die Wechselwirkungen von Farbe und Form ganz konkret greifbar, deren dynamisches Zusammenspiel als eines der zentralen Themen in Kandinskys Werk verstanden werden darf. Nicht frei von Dissonanzen ergibt die vielfarbige Gestaltung der Kreise über den weißen Formen ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlichster Farbklänge - eine bemerkenswerte, fordernde Komposition in Jahren des Umbruchs.
Etwa fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Kandinsky als Lehrer ans Bauhaus berufen wurde, etwa fünf seit dessen Schließung durch die Nationalsozialisten und Kandinskys Abschied aus Deutschland. Nun, im Jahr 1938, sieht die Welt der Katastrophe des II. Weltkriegs entgegen. War in München 1937 das utopische Projekt der Avantgarde mit der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert und für endgültig beendet erklärt worden, präsentieren Solomon R. Guggenheim und Hilla von Rebay in New York im Sommer 1939 zahlreiche Werke Kandinskys in ihrer epochemachenden Ausstellung „Art of Tomorrow“.

Werkverzeichnis

Endicott Barnett 1225

Zertifikat

Wir danken Vivian Endicott Barnett, New York, für bestätigende Auskünfte und wissenschaftliche Beratung.

Provenienz

Nina Kandinsky, Paris (bis 1974); Galerie Maeght, Paris (1974); Guy Loudmer, Paris, Auktion 27.10.1982, Lot 28; Sotheby's, London, Auktion 30.11.1988, Lot 510; Privatsammlung (bis 2006); Sotheby's, New York, Impressionist and Modern Art Day Sale 8.11.2006, Lot 430; Privatsammlung Schweiz

Ausstellung

Paris 1947 (Galerie René Drouin), Kandinsky: gouaches, aquarelles, dessins, Kat. Nr. 42; Liège 1947 (Association pour le progrès intellectuel et artistique de la Wallonie), Kandinsky: gouaches & dessins, Kat. Nr. 41; London 1950 (Gimpel fils), Kandinsky, Kat. Nr. 21; Saint-Paul-de-Vence 1966 (Fondation Maeght), Kandinsky Centenaire 1866-1944, Kat. Nr. 99; Humlebaek 1971 (Louisiana Museum), Klee-Kandinsky, Kat. Nr. 67 (Louisiana-Revy Nr. 2, Oktober 1971); Zürich 1972 (Galerie Maeght), Kandinsky: Ölbilder, Gouachen, Zeichnungen, Kat. Nr. 57; Charleroi 1972 (Palais des Beaux-Arts), Wassily Kandinsky: rétrospective, Kat. Nr. 72; Madrid 1978 (Fondación Juan March), Kandinsky 1923-1944, Kat. Nr. 58; Tokio 1989 (Fuji Television Gallery), Wassily Kandinsky, mit Farbabb., o. Kat. Nr.

Lot 223 Nα

Schätzpreis:
200.000 € - 250.000 €

Ergebnis:
210.800 €