Auktion 1125, The Twinight Collection I, 07.11.2018, 18:00, Berlin Lot 137

Teller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver

 Königliche Porzellanmanufaktur Berlin KPM, Berlin, KPM, 1820, nach einem Motiv von Edward FraTeller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver, Auktion 1125 The Twinight Collection I, Lot 137
 Königliche Porzellanmanufaktur Berlin KPM, Berlin, KPM, 1820, nach einem Motiv von Edward FraTeller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver, Auktion 1125 The Twinight Collection I, Lot 137
 Königliche Porzellanmanufaktur Berlin KPM, Berlin, KPM, 1820, nach einem Motiv von Edward FraTeller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver, Auktion 1125 The Twinight Collection I, Lot 137
 Königliche Porzellanmanufaktur Berlin KPM, Berlin, KPM, 1820, nach einem Motiv von Edward FraTeller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver, Auktion 1125 The Twinight Collection I, Lot 137

Teller mit der Rückkehr des preußischen Königs vom Manöver

Porzellan, farbiger Aufglasurdekor, radierte und braun konturierte Vergoldung. Modell 1054, antikglatt. Spiegelfüllende Darstellung der Szene, um die Fahne antikische Blattranken, um das Steigbord Palmetten. Blaumarke Zepter mit rotem Unterstrich, braunes F, Pressnummer 22, geritzt III, schwarzes Besitzermonogramm E.A.F.C. für Ernst August Fidei Commis. D 24,7 cm.

Berlin, KPM, 1820, nach einem Motiv von Edward Francis Cunningham.

Provenienz

Sotheby´s Royal House of Hanover Sale am 9. Oktober 2005, Lot 238.

Ausstellungen

Raffinesse & Eleganz - Königliche Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts aus einer amerikanischen Privatsammlung, Berlin, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Schloss Charlottenburg, 28. Juli bis 4. November 2007

Die Sammlung Cohen. Porzellane der grossen Manufakturen 1800 - 1840. Wien, Liechtenstein Museum, 16. November 2007 bis 11. Februar 2008

Refinement & Elegance - Early 19th-Century Royal Porcelain from an American private collection, New York, The Metropolitan Museum of Art, 9. September 2008 bis 19. April 2009

Literatur

Wittwer (Hg), Raffinesse & Eleganz, München 2007, Nr. 147.

"Der durch seine virtuose Porzellanmalerei beeindruckende Kabinettteller kann als ein herausragendes Beispiel der KPM angesehen werden, Gemäldevorlagen auf Porzellan zu kopieren. Die von der Manufaktur Sèvres auf höchstem Niveau praktizierte Technik, Werke der Ölmalerei in gleichwertiger Qualität auf Porzellan umzusetzen, hatte in Berlin Aufsehen erregt und dazu beigetragen, ein dem französischen Vorbild entsprechendes Niveau der Kopiertechnik auch bei den Porzellanmalern der KPM anzustreben. Voraussetzung für diese Art der Kopiermalerei war nicht nur eine akademische Ausbildung des Malereipersonals, sondern auch eine der Ölmalerei angenäherte Maltechnik, die nur auf Basis technischer Innovationen wie die Entwicklung neuer Farben und Porzellanmassen erzielt werden konnte. Der vorliegende, im August 1820 fertiggestellte Teller nimmt in diesem Entwicklungsprozess eine Zwischenstufe ein. Stilistisch steht er der Schlachten- und Vedutenmalerei der großen, um 1815-1820 gefertigten Feldherrenservice nahe, während er hinsichtlich seiner malerischen Qualitäten, wie der effektvollen Verteilung von Licht- und Farbwerten und der Verwendung feinster Farbnuancierungen, über diese hinausweist.

Das Bildthema seiner Darstellung geht auf ein Historiengemälde des englischen Porträtmalers Edward Francis Cunningham zurück, das dieser anlässlich des Besuches des Herzogs von York, dem Sohn König Georgs III. von England, 1784 in Berlin angefertigt hat. Der von englischer Seite an den Künstler ergangene Auftrag sah die Schaffung eines großformatigen, zur Vervielfältigung im Kupferstich bestimmten Gemäldes vor. Die Reproduktion der Gemäldevorlage wurde dem Stecher Johan Frederik Clemens übertragen. Im Zuge des Umsetzungsprozesses fertigte Cunningham zwei gleichformatige Ölbilder an, die das Thema, Friedrich der Große umringt von den preußischen Prinzen und Generälen im Beisein des Herzogs von York, in leicht abweichender Komposition zeigen; eine dritte Fassung schließlich bildete die Vorlage für den Stich. Die Porzellandarstellung gibt im Bildaufbau in leicht reduzierter Form die Komposition des Kupferstichs wieder, dessen gestrecktes Querformat der Maler durch Beschneiden des rechten Bildrandes und Einfügen einer Baumkulisse rechts im Vordergrund geschickt in das Rund des Tellerspiegels übertragen hat. In der Feinheit der malerischen Ausführung, den vielfältigen Farbschattierungen und der Wiedergabe einer dunsterfüllten Atmosphäre imitiert die Porzellandarstellung qualitative Merkmale der Ölmalerei: Eine Wirkung, die durch die breite, aufwendig radierte Goldrahmung des Tellers, welche den Gemäldecharakter des Miniaturbildes unterstreicht, zusätzlich gesteigert wird. Die Arabesken-Bordüre der Tellerfahne geht dabei auf das Dekorationsmuster eines für das Wellington-Service entworfenen Desserttellers zurück, dessen Blattornamente bis auf kleine Abweichungen in der Rankenform mit dem vorliegenden Teller identisch sind. Durch diese Ornamentik, die auf das berühmteste der Berliner Feldherrenservice anspielt, erhält das historische Bildmotiv des Tellers einen aktuellen Bezug, der die Bilddarstellung des 18. Jahrhunderts in das thematische Umfeld der Befreiungskriege rückt. Diente das Cunningham-Gemälde als historisches Ereignisbild der Erinnerung und Würdigung des Staatsbesuches eines Mitgliedes des englischen Königshauses in Preußen, erhielt rückblickend dieser historische Moment nach dem siegreichen Ende der Befreiungskriege eine weitere Bedeutungsebene. Durch das historische Bildzitat wird eine bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende politische Allianz der beiden europäischen Staaten beschworen, welche aufgrund der sich über Generationen erstreckenden Verbundenheit der beiden Königsfamilien auch während der napoleonischen Besetzung Bestand hatte. Diese konnte erst durch den militärischen Beistand Englands niedergeschlagen werden. Die so zum Ausdruck gebrachte Ehrung des englischen Bündnispartners wird durch die Person Friedrichs des Großen, der die Komposition als zentrale Bildfigur bestimmt, zugleich mit einer anderen politischen Aussage verbunden: Mit der Darstellung des Begründers Preußens als europäische Großmacht wird der nationale Stolz und das wieder erstarkte Selbstbewusstsein des preußischen Staates deutlich gemacht, der sich auch in Zukunft als gleichberechtigter politischer Partner Englands sieht.

Als königliches Geschenk liefert der Teller somit ein anschauliches Beispiel fürstlicher Diplomatie. Indem er geschichtliche Würdigung und aktuelle Politik symbolisch miteinander verbindet, vermittelte er gleichzeitig zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten. Empfänger des Ehrengeschenkes war der durch Personalunion mit England verbundene welfische Fürstenhof in Hannover, in dessen Besitz sich der Teller zuletzt befand." (S. 426 ff)

Für die Genehmigung des Abdrucks aus dem Katalog Raffinesse & Eleganz danken wir herzlich Herrn Dr. Samuel Wittwer

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