Teller mit botanischem Dekor

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Teller mit botanischem Dekor

Porzellan, polychromer Aufglasurdekor, hell violetter und hell lachsfarbener Fond, radierte Vergoldung mit braunrotem Konturstreifen und Relief. Modell 1113, konisch. Spiegelfüllende Darstellung der Pflanze, rückseitig bezeichnet "Borbonia crenata." und "Cap de bonne espérance." Um die Fahne ein goldradierter Kranz derselben Blume. Blaumarke Zepter mit hellblauem Unterstrich, goldenes Sm., Pressnummer 16, geritzt III. D 24 cm.
Berlin, KPM, 1803 - 13, wohl nach einem Motiv von Pierre Jean François Turpin.

Eine erste Tellerfolge mit botanischer Malerei der KPM lässt sich bereits vor dem 1807 entstandenen Service für Joséphine Bonaparte nachweisen, auch wenn über deren genaues Aussehen nichts weiter bekannt ist. An der Akademie-Ausstellung 1804 stellte die Manufaktur „Vierzehn Teller mit nachfolgenden einzelnen Blumen und Blüthen“ aus, die auf ihrer Rückseite mit dem lateinischen Namen der jeweiligen Pflanze bezeichnet wurden: „lonicera caprifolium, lonicera tartarica, justitia coccinea, salvia aurea, saponaria ocymoides, pedicularis rosea, hibiscus trionum, viola odorata, passiflora alata, crocus vernus, calmia latifolia, cistus incanus, amaryllis virtata, zinnia multiflora“. Es kann nur spekuliert werden, woher die Anregung zu einer solchen Tellerfolge kam. Möglicherweise hatte der Direktor der KPM, Rosenstiel, auf seiner Reise nach Paris im November 1802, auf der er auch Sèvres besuchte und sich mit Alexandre Brongniart unterhielt, von dem dort anstehenden Projekt eines botanischen Services für Joséphine Bonaparte gehört oder bereits einige Teile gesehen. Das von den Vertretern der napoleonischen Besatzungsmacht konzipierte und bestellte Berliner Service für die französische Kaiserin kann als zusätzlicher Anstoß zur Pflege dieser Gattung gesehen werden. Man kann davon ausgehen, dass die Blumenmaler der KPM zwischen 1807 und 1813 immer wieder Teller an das Hauptwarenlager lieferten, die von diesem enzyklopädischen Service inspiriert waren. So schlug der Manufakturdirektor Rosenstiel in einem Brief vom 25. April 1809 an den Geheimen Staats- und Finanzminister Freiherr von Altenstein vor, an Stelle der für drei Service zu königlichen Geschenkzwecken vorgesehenen durchbrochenen Dessertteller doch besser „24 Teller mit verschiedenartigen fremden botanischen Pflanzen verziert, deren Name und Erzeugungsort auf dem Boden des Tellers bemerkt ist“ zu wählen. Der Anregung wurde anscheinend entsprochen, denn noch im Mai 1815 werden zwei Fruchtkörbe und ein Geléebecher „mit einer botanischen blumen guirl. um den Fuß zwisch. braun Ränder u chamois Streifen, am Rand chamois fond zwischen herum Ring u Rand, zu dem Service vom 8 Febr. 1809“ an das Warenlager ausgeliefert. Eine genauere Beschreibung der Service ist leider nicht überliefert. Für die Zeit nach 1813 haben sich aber glücklicherweise Malereibestellbücher erhalten, die weitere botanische Teller als Einzelstücke oder kleinere Folgen nennen, doch nie mit Blattkranz in Sepia. Dies stärkt die Vermutung, dass die drei Teller der Sammlung Cohen aus einem der drei 1809 hergestellten Service gehörten, zumal mehrere dazu passende Stücke seit längerem bekannt sind, so dass es sich um ein größeres Ensemble gehandelt haben muss.
Wittwer, op. cit. S. 258

Provenienz

2011 erworben.

Literaturhinweise

S.a. Sterba, Napoléon und Joséphine - Kryptische Symbolik einer Liebe in der Dekoration eines botanischen Services für die Kaiserin, in: Keramos 194/2006, S. 73 ff.
Der Teller stammt vermutlich aus dem Service für die französische Kaiserin Joséphine.

Lot 85 Dα

Schätzpreis:
6.000 € - 8.000 €

Ergebnis:
8.125 €