C.O. Paeffgen - Sehr schön. Oh wie schön. Das ist fein

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C.O. Paeffgen

Sehr schön. Oh wie schön. Das ist fein
1969

Installation: Acryl auf Holzbalken und Lack auf aufgeklappten und benutzten Kartons mit Klebeband und Heftklammern. Jeweils mit Kordel am Holzbalken montiert. Balken 13 x 312 x 6,5 cm. Kartons jeweils ca. 139 x 97 cm. Gesamtmaß ca. 125 x 312 cm. Auf dem Holzbalken rückseitig signiert und datiert 'C.O. Paeffgen Juli 69'. Auf den Kartons jeweils betitelt 'sehr schön', 'oh wie schön' bzw. 'das ist fein'. Rückseitig jeweils signiert und datiert 'C.O. Paeffgen Juli 69' bzw. 'C.O.P. Juli 69' und in Folge beschriftet 'I', 'II' und 'III'. Zusätzlich jeweils mit dem Hinweis 'bitte nicht knicken' und ein Karton mit 'danke C.O.' versehen. - Mit Atelier- und leichten Altersspuren.

Drei Kartons aufgeklappt und rot bedruckt mit „HANDLE WITH CARE / Printing side up“ nutzt Paeffgen als Fläche, um darauf mit dickem Pinsel und gelb-beiger Farbe drei ausrufende Feststellungen lakonisch zu inszenieren: „Sehr Schön oh wie schön das ist fein“. Das Ergebnis hängt der Künstler mit Strippen an ein dickes, rosa gefasstes Vierkantholz, das wiederum an der Wand befestigt ist. Was wie ein Refrain anmutet, ist Teil eines Werkkomplexes, den der Künstler stetig weiterformuliert, so etwa mit dem Gemälde „Sehr Schön“ (1969), mit einer Fahne „Sehr Schön“ (1969), einem eng beschrieben Blatt mit einem „Sehr“ im Zentrum, darum herum ein vielfaches „schön“ aber auch einmal „scheisse“ (1969), eine Fahne "Sehr Schön" aus Kunststoff-Folie (1969), einer Akt-Zeichnung nach Matisse „Sehr Schön“ (2000), einer Objektkiste mit Rückenakt von Ingres „sehr schön“, (1969), und so weiter. Die mit Poesie aufgeladene Feststellung „Sehr Schön“ wird zu seinem künstlerischen Baustein, der in vielen Varianten und Abfolgen durch das Werk des Künstlers wabert und wie ein Konzept à la Paeffgen aufscheint. Alles kann „sehr schön“ sein, die ganze Palette seiner Themen, es gibt keine ästhetische Hierarchie. Das pure Material der Kartonage allerdings steht neben den vom Künstler bevorzugten Obstkisten der Firma Carmen und erfährt hier eine feinsinnige Wertschätzung. Oder geht es gar um imaginäre Bilder, die Paeffgen gar nicht mehr ausführt, sondern mit dem zu erwartenden Kommentar lapidar wie treffend benennt und damit auch gegen unseren einfallslosen Sprachgebrauch bei der Betrachtung von Kunst demonstriert? Alles ist bildschön?

Oder spiegelt Paeffgen die politische Aufgeladenheit der studentischen Protest­bewegung, die sich seit Mitte der sechziger Jahre an der FU in Berlin entwickelt: Mitbestimmung in den universitären Gremien, das Verhältnis von Industriestaaten und Ländern der Dritten Welt, Vietnamkrieg, Notstandsgesetzgebung. Am 2. Juni 1967 wird der FU-Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien durch einen Kriminalbeamten erschossen. Mit diesen im Werk von Paeffgen solitären, komplexen Demo-Plakaten nimmt der Künstler sowohl die gesellschaftlichen Errungenschaften des Wiederaufbau als auch die Einforderung politischer Mündigkeit der nach 1945 Geborenen ins Visier. Es ist eben nicht alles schön 1969!

MvL

Provenienz

Privatsammlung, Norddeutschland

Lot 708 D

Schätzpreis:
20.000 € - 30.000 €

Gebot
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