Anonym - Reinecke-Quartett

Anonym

Reinecke-Quartett
8. Mai 1850

Daguerreotypie. 11,1 x 14,4 cm sichtbarer Passepartout-Ausschnitt (17,2 x 20,2 cm Gesamtmaß). Gerahmt unter braunem Samtpassepartout mit Goldpapierborten und -ornamenten. Rückseitig mit Tinte persönliche Widmung an August Lürmann, von den übrigen Dargestellten signiert sowie Notation der ersten vier Takte des Streichquartetts F-Dur Op. 59 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven, zudem datiert. - Entlang der Ränder oxidiert und mit leichten Fingerabdrücken. Unter Glas gerahmt.

Die Aufnahme zeigt den deutschen Pianisten, Komponisten und Dirigenten Carl Reinecke (1824 - 1910) mit den Mitgliedern des von ihm gegründeten und nach ihm benannten Streichquartetts. Sie entstand im Frühjahr 1850 in Bremen, wo Reinecke seit 1849 als Dirigent tätig war. Zu sehen sind (v.l.n.r.) Carl Reinecke mit Bratsche, der Cellist und spätere Bürgermeister von Bremen August Stephan Lürmann (1820 - 1902), der Violinist Otto von Königslöw (1824 - 1898) und der, wie Reinecke ihn in seinen Memoiren beschreibt, „treffliche Dilettant“ und Geschäftsmann Leonhard Borgström (1832 - 1907). Der Urheber der Aufnahme ist nicht bekannt. Es besteht jedoch Anlass zu der Vermutung, dass es sich hierbei um Johann Eberhard Feilner handeln könnte. Feilner war damals der führende Daguerreotypist in Bremen, 1844 hatte er dort sein Atelier eröffnet und sich durch seine großformatigen Gruppenportraits auch weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht.
Es handelt sich hier um eine sehr frühe Darstellung eines Streichquartetts, auf der die Ensemblemitglieder mitsamt ihrer Instrumente abgebildet sind. Als ebenso wichtiges wie reizvolles Zeugnis aus der Frühzeit der Photographie ist diese Daguerreotypie somit nicht allein aus photohistorischer Perspektive von Bedeutung, sondern auch für die musikwissenschaftliche Forschung bzw. Freunde der historischen Aufführungspraxis von Interesse.
Ein charmantes Detail findet sich auf ihrer Rahmenrückwand. Neben den Signaturen der dargestellten Musiker sind hier handschriftlich die ersten vier Takte des Streichquartetts F-Dur Op. 59 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven notiert. Dass es sich hierbei um eine Cello-Partie aus dem Quartett handelt, ist insofern schlüssig, als die Daguerreotypie dem Cellisten des Quartetts August Stephan Lürmann gewidmet ist. Eine während derselben Portrait-Sitzung entstandene Variante aus dem Besitz Carl Reineckes mit entsprechender Widmung befindet sich heute im Carl-Reinecke-Museum, Leipzig.

Wir danken Herrn Stefan Schönknecht, Carl-ReineckeMuseum, Leipzig/Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, Leipzig, für hilfreiche Auskünfte

Provenienz

Privatbesitz, Berlin

Lot 1 Dα

Schätzpreis:
3.000 € - 4.000 €

Ergebnis:
3.720 €