August Sander - Künstlerportraits

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August Sander

Künstlerportraits
1924-1930

Portfolio mit 12 Gelatinesilberabzügen 1974 von Gunther Sander. Jeweils 28,4 x 20,5 cm. Die Abzüge jeweils unten links mit Prägestempel des Photographen. Freiliegend in Passepartout montiert und auf Unterlagekarton aufgezogen, jeweils rückseitig mit Editionsstempel, darin mit Bleistift von Gunther Sander signiert, datiert und fortlaufend beziffert '1' bis '12'. Zusammen mit einem Deckblatt, dort maschinenschriftliche Werkangaben, in originaler Portfoliobox Exemplar 53/75. Edition Schirmer/Mosel, München.

Innerhalb der Photographie des 20. Jahrhunderts nimmt das Werk August Sanders eine herausragende Stellung ein. Sein monumentales Portraitwerk Menschen des 20. Jahrhunderts wurde bereits von der zeitgenössischen Kritik begeistert aufgenommen, beeinflusste mehrere nachfolgende Photographengenerationen und wirkt aufgrund seiner konzeptuellen Ausrichtung bis in die heutige Zeit nach.
Mitte der 1920er Jahre begann Sander mit der Konzeption seines Lebensprojektes, dem die Absicht zugrunde lag, mittels photographischer Portraits von Menschen der unterschiedlichsten sozialen Schichten und Berufsgruppen die gesellschaftliche Struktur seiner Zeit offenzulegen. Den damaligen Berufsbildern und Sozialstrukturen entsprechend, gliederte er seine Studie in sieben Gruppen - „Der Bauer“, „Der Handwerker“, „Die Frau“, „Die Stände“, „Die Künstler“, „Die Großstadt“ und „Die letzten Menschen“ -, die insgesamt 45 Mappen umfassen sollten. Dass er innerhalb seiner Systematik die Künstler nicht, wie es denkbar gewesen wäre, in „Die Stände“ eingliederte, sondern ihnen eine eigene Gruppe widmete, verdeutlicht, welch hohen Stellenwert er ihnen innerhalb des gesellschaftlichen Kontextes beimaß. Es ist davon auszugehen, dass es Sanders persönliches Umfeld war, das zu dieser Gewichtung führte, stand er doch zu vielen der von ihm portraitierten Künstler in engem, ja sogar freundschaftlichem Kontakt. Insbesondere mit den Künstlern der Kölner Progessiven, darunter etwa Wilhelm Seiwert, Heinrich Hoerle, Anton Räderscheidt, Otto Freundlich und Gottfried Brockmann, gab es einen intensiven Austausch über künstlerische und gesellschaftspolitische Fragestellungen - Diskurse, die ihren Niederschlag nicht nur in seinem eigenen Œuvre, sondern umgekehrt auch in dem der Maler fanden.
Der Kontakt zu den Künstlerfreunden war für Sanders Konzeption der Menschen des 20. Jahrhunderts insofern von zentraler Bedeutung, als ihr eine künstlerische Strategie zugrunde lag, wie sie zeitglich im Schaffen von Seiwert, Hoerle und Brockmann zum Tragen kam. Auch die genannten Künstler erstellten Mappenwerke, mit denen sie die gesellschaftliche Struktur der Weimarer Republik visuell in typisierenden Darstellungen erfassen wollten. „Was sie in ihren Werken exemplarisch im Medium der Graphik realisierten, erhob Sander zum allgemeinen Prinzip seines Werkes, das er systematisch in Gruppen und Mappen gliederte und mit den Mitteln der Photographie einer typologischen Ausrichtung unterstellte.“ (zitiert nach: Susanne Lange/Gabriele Conrath-Scholl, in: Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur (Hg.), a.a.O., S. 13).
Das hier vorliegende Portfolio mit Abzügen, die August Sanders Sohn Gunther nach den Originalnegativen erstellte, vereint nicht nur einige der bekanntesten Künstlerportraits des Photographen. Mit Blick auf das Gesagte lässt es sich auch als nachträgliche Würdigung des gegenseitigen künstlerischen Austauschs lesen, aus dem schließlich ein photographisches Werk hervorging, das in der Geschichte der Photographie singulär ist.

Provenienz

Privatbesitz, Köln

Literaturhinweise

Lot 5 Sander
August Sander, Antlitz der Zeit. Sechzig Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts von August Sander, Berlin 1929 (Reprint München 1976), Tafel 50; Gunther Sander, August Sander. Menschen ohne Maske. Photographien 1906-1952, München 1976, mit Abbn.; Die Photographische Sammlung/SK-Stiftung Kultur (Hg.), Zeitgenossen. August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland, Ausst.kat. Josef-Haubrich-Kunsthalle, Köln u.a., Göttingen 2000 (mit Abbn.); Die Photographische Sammlung/SK-Stiftung Kultur (Hg.), Menschen des 20. Jahrhunderts. Ein Kulturwerk in Lichtbildern eingeteilt in sieben Gruppen Band 4: Die Stände, München 2002, mit Abbn.; Die Photographische Sammlung/SK-Stiftung Kultur (Hg.), Menschen des 20. Jahrhunderts. Ein Kulturwerk in Lichtbildern eingeteilt in sieben Gruppen, Band 5: Die Künstler, München 2002, mit 1 Abb.; Die Photographische Sammlung/SK-Stiftung Kultur (Hg.), August Sander. Meisterwerke, München 2018, mit Abbn.

Lot 5 D

Schätzpreis:
15.000 € - 20.000 €

Gebot
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