Otto Mueller - Zwei weibliche Akte in Landschaft

Otto Mueller - Zwei weibliche Akte in Landschaft - image-1
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Otto Mueller

Zwei weibliche Akte in Landschaft
Um 1925

Aquarell und Kreidezeichnung auf handgeschöpftem Velin 68,7 x 52,8 cm Unter Glas gerahmt. Unten mittig mit Bleistift signiert 'Otto Mueller'. - Die Farben frisch erhalten, das Violett etwas geblichen. Der Unterrand rechts mit fachmännisch restauriertem Einriss.

Der genaue Zeitpunkt von Otto Muellers Aufnahme in die Künstlergemeinschaft der Brücke ist nicht bekannt, irgendwann 1911. Im selben Jahr äußert sich sein Kollege Erich Heckel über ein Gemälde Muellers in seinem Besitz: „Sehr hell, in dünnem Farbauftrag, kühn in die Fläche gesetzt, spürbar schon die ihm eigene mathematische Gesetzlichkeit und seine sinnliche Feinfühligkeit“. (zit. nach Ausst. Kat. Otto Mueller. Eine Retrospektive, Hypo-Kulturstiftung München 2003, S. 49).
Die Malerfreunde arbeiten und reisen fortan häufig gemeinsam, erobern sich eine eigene Motivwelt. Während Heckel, Kirchner, Pechstein und Schmidt-Rottluff ihr Interesse aber auch auf extrovertierte Themen wie das Berliner Großstadtleben richten, konzentriert sich Mueller vornehmlich auf die Beschreibung von zumeist unbekleideten Menschen in der Natur - dieses wird ikonisch, so etwas wie sein Markenzeichen. Die bewusste Reduktion von Form, Ausdruck und besonders der Farbpalette in Tonwerten wie Textur spricht für Muellers Wunsch „Urbilder“ zu schaffen, wie Mario von Lüttichau vermutet. (Ausst. Kat. München 2003, op.cit., S. 67).
Sind es zumeist androgyne Akte, wie auch im vorliegenden großformatigen Aquarell, so sind sie in den 1910er Jahren zumeist kräftig dunkel konturiert. Dadurch vermittelt sich eine durchkomponierte Bildtektonik. Unser Motiv ist dahingehend typisch, jedoch ist auffällig, dass die Umrisslinien einem zarten Strich gewichen sind zugunsten eines harmonischeren Bildeindrucks. Das nackte Individuum ist der Natur gleichsam wie im Paradies ebenbürtig und scheint eins mit ihr.

Werkverzeichnis

Von Lüttichau/Pirsig 784

Provenienz

Galerie Neumann-Nierendorf, Berlin (um 1930); Sammlung Rudolf und Bertha Frank, Mannheim; Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Leihgabe); Galerie der Stadt Stuttgart (Leihgabe); Privatsammlung

Ausstellung

Darmstadt 1986/1987 (Hessisches Landesmuseum), Sammlung Frank, Kat. S. 174; Wuppertal 2008 (Von der Heydt-Museum), Der expressionistische Impuls. Meisterwerke aus Wuppertals großen Privatsammlungen, o. Kat. Nr., S. 231 mit ganzseitiger Farbabb.

Lot 243 Dα

Schätzpreis:
90.000 € - 120.000 €

Gebot
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