Zweiflammiger Kandelaber aus dem Vestunen-Service Friedrichs II.

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Zweiflammiger Kandelaber aus dem Vestunen-Service Friedrichs II.

Porzellan, polychromer Emaildekor, Vergoldung. Modell Französisches Dessin, zweiteilig gebrannt. Die beiden geschweiften, von plastischen Ästen und Blüten umrankten Leuchterarme mittels eines Messingzapfens aufgesteckt. In der Mitte oben ein plastisches Schilfbündel. Barocker Leuchterschaft nach dem Vorbild Meissoniers, gleichfalls umwunden von einer plastischen Blütenranke. Um den fassonierten und seitlich gekehlten Fuß vier reliefierte Festons an jeweils zwei Puttenköpfen. Blaumarke Schwerter. Arme restauriert, kleinere Brandrisse im Schaft. H 29,5, B 24,5 cm.
Meissen, 1763, das Modell von Johann Joachim Kaendler.

Nach dem Friedensschluss von Hubertusburg zwischen dem preußischen, österreichischen und sächsischen Königshaus, im Februar 1763, war der Siebenjährige Krieg endgültig beendet, und man blickte friedlicheren Zeiten entgegen. Anlässlich des wiedergewonnenen Friedens beauftragte Friedrich II. noch im November des gleichen Jahres die Meißener Manufaktur mit einem der wohl umfangreichsten und persönlichsten Service mit rund 60 Gedecken und üppigem figürlichem Tafelschmuck. In dem von Samuel Wittwer publizierten Arbeitsbericht Kaendlers vom 11. November 1763 heißt es: "Erstlich verlangen Ihro Konigl. Majt. eine ganz neuen Taffel Service mit Antiquen hangenden Vestunen, welche an d'amours Köpfgen angeknüpfet und flach erhaben seyn, worzu Ihro Königl. Majt. eine eigenhändige Zeichnung gegeben; [...] Die Mahlerey soll aus schönen Blumen, als Rosen, Mohn-blumen, Nelcken, Hyacinte, Pappeln, Tulipanen, Monstrosen, in specie auch mit aus schönen Auriculn wohl angebracht bestehen, wobey Ihro Königl. Majth. gnädigst angeordnet, daß niemahls auf einem Teller oder Schüßel mehr als nur 2 Blumen gemahlet, und solchergestalt proportinierlich und mit Überlegung angebracht werden sollen, daß die couleuren nicht einander zuwieder fallen. Auch ist befohlen worden, daß dieser Servis der Vestunen Servis genannt werden soll." (a.a.O., S. 68 f.) Der Name des Services ist durch diese Schriftquelle Geschichte geworden. Das Wort Vestunen = Festons bezeichnet die Blumengirlanden, die die Gefäße und Teller zieren, und deren Ausformung als aufwändigster Arbeitsschritt der Produktion bezeichnet werden kann.

Eine erhalten gebliebene Aufstellung aller Geschirre, Tafelgeräte und Figuren, die zu diesem Service gehörten, nennt gleich an dritter Position, nach einem großen und zwei kleinen Plats de ménage, acht Tafelleuchter, von denen bisher nur ein einziges unvollständiges Exemplar bekannt war. Überhaupt sind nur sehr wenige Teile aus dem Service bekannt. So besitzt das Krefelder Kaiser Wilhelm Museum eine Terrine und eine Bratenschale, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zwei Wärmeglocken und den von Kaendler detailliert beschriebenen Tafelaufsatz. Im Berliner Kunstgewerbemuseum befinden sich zwei der Dessert- oder Fruchtkörbe aus ehemaligem Hohenzollernbesitz sowie ein unbemalter flacher Teller. In der Dresdener Porzellansammlung gibt es einen von ursprünglich 240 flachen Speisetellern. Im Münchner Residenzmuseum hat sich das fünfteilige Mittelstück des figürlichen Tafelschmucks zum Vestunen-Service erhalten, der König wollte es undekoriert. Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß das Potsdamer Stadtmuseum eine der 20 Wärmeglocken, sie gilt als Kriegsverlust. Interessant ist allerdings ein Blick auf die noch vorhandene Inventarkarte, die auch die Herkunft des Stücks dokumentiert. Die Wärmeglocke war ein Geschenk der Familie Cuthenius. Man darf also beim Vestunen-Service davon ausgehen, dass der alternde König es seinem langjährigen Leibarzt Christian Andreas von Cuthenius (14. Februar 1708 - 5. Januar 1789) in Anerkennung seiner Verdienste um das preußische Medizinalwesen, wohl in den 1780er Jahren, also gegen Ende seines Lebens, zum Geschenk machte. Auch einige andere seiner im Siebenjährigen Krieg erworbenen Meißener Tafelservice verschenkte er in dieser Zeit. Hier seien nur das Möllendorf-, das Zieten- und das Schwerinservice genannt, die er alle an herausragende preußische Militärs, sicher als eine sehr persönliche Gabe, überreichte.

Wir danken Herrn Dag Nabrdalik für den Textbeitrag.

Literaturhinweise

Die ausführliche Geschichte des Services bei Wittwer, „hat der König von Preußen die schleunige Verfertigung verschiedener Bestellungen ernstlich begehret“ - Friedrich der Große und das Meißener Porzellan, in: Keramos 208/2010, S. 67 - 74.

Lot 159 Dα

Schätzpreis:
16.000 € - 20.000 €

Ergebnis:
15.000 €