Südniederländischer Meister um 1520/1530 - Christus auf Golgatha

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Südniederländischer Meister um 1520/1530

Christus auf Golgatha

Öl auf Holz. 66,1 x 85,7 cm.

Eine Infrarot-Reflektographie dieser Tafel zeigt eine außerordentlich freie und sichere Unterzeichnung sowie ikonographisch interessante Veränderungen, die ihr bislang noch nicht identifizierter niederländische Maler im Laufe des Entstehungsprozesses vorgenommen hat. Hatte der um 1525/1530 arbeitende Künstler zunächst eine klassische Ecce-Homo-Ikonographie ins Auge gefasst, bei der Christus dornengekrönt und mit gefesselten Händen vor Pilatus zu sehen war, änderte er das Thema in eine vorgreifende Erzählungsweise, die nicht mit dem Schmerzensmann beginnt, sondern mit dem tief resignierten, ergeben Sohn Gottes. Die Komposition vereinigt mehrere Episoden aus der Passion in einem einzigen Bild: Christus wird links vor seinem Aufstieg nach Golgatha vorbereitet, weiter hinten diskutiert Pilatus mit seinen Dienern, in der Ferne werden die Kreuze aufgerichtet und auf der rechten Seite schließlich, gleichsam als Gegenpart zur Christusdarstellung, haben sich Maria, Magdalena und Johannes der Evangelist bereits zum Trauergebet versammelt. Diese Gleichzeitigkeit der einzelnen Passionsszenen ist ungewöhnlich und zeugt von einer durchaus eigenständigen Künstlerpersönlichkeit, die möglicherweise mit der Druckgraphik Dürers vertraut war. Die Figuren sind mit sicherer Hand definiert, wie auch die mit raschen Linien angedeutete Landschaft im Hintergrund.
Eine vergleichbare um 1520 datierte Komposition mit den simultan dargestellten Ereignissen auf dem Kalvarienberg befindet sich im Rijksmuseum. Das Amsterdamer Triptychon wurde von Professor Dr. Jan Piet Filedt Kok Jan Wellens de Cock (ca. 1470 - ca. 1521) zugeschrieben. De Cock stand u. a. auch mit Cornelis Engebrechtsz. in Leiden in Verbindung, bevor er später selbständig in Antwerpen arbeitete. Unser Gemälde, das ebenso Flämische wie Leidener Stilelemente vereint, ist einem Künstler aus diesem Umfeld zuzuschreiben (J.P.Filedt, W. Gibson et. E.: Cornelis Engebrechttsz. A sixteenth-century Leiden artist and his workshop, 2014, S. 7-9, Abb. 8).

Provenienz

Sotheby´s New York 2019 (als Leiden-School ca. 1530). - Privatsammlung Deutschland.

Lot 2010 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Gebot
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