Kommode aus der Werkstatt David Roentgens

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Kommode aus der Werkstatt David Roentgens

Nuss, Königsholz, Kirsche, Pflaume, Ahorn, teilweise gefärbtes Holz auf Eiche und Weichholz, feuervergoldete Bronze, Marmor "rouge royal". Zweischübig, sans traverse, auf zugespitzten geschweiften Vierkantbeinen. Lambrequinartige Zarge, mittig tief heruntergezogen. Im Bereich des unteren Schubs gebauchte, auf den Seiten konkav eingezogene Wandung. Das vertikal gelegte Nussfurnier dreiseitig fein intarsiert mit ombrierten, an Schleifen aufgehängten Blütengebinden. Aufgefallener Schubgriff aus einem Rundmedaillon mit einer weiblichen Büste im Profil, gerahmt von einem lose aufliegenden, als Griff klappbaren, an einer Schleife hängenden Kranz. Klebeetikett auf der Rückseite mit tintengeschriebener Signatur "Roentgen Neuwied". Klaffender vertikaler Schwundriss durch die rechte Seite. H 80, B 78, T 41 cm.
Neuwied, um 1772 - 75.

Im Gegensatz zu den frühen Blumenintarsien bevorzugt die Werkstatt unter David Roentgen ombrierte Pflanzendarstellungen. Die Kontraste zwischen beleuchteten und verschatteten Arealen werden wichtiger. Diese Wirkung wird erzielt durch das Nebeneinander von hellen und dunklen Hölzern, also durch Intarsie und nicht durch Gravuren oder Zeichnungen. Mit Sicherheit wurden dafür auch andere Vorlagen verwendet, wie z.B. die Blumenstiche von Jacques Bailly.
Das Motiv der an Schleifen hängenden Blumen und der rosettenförmigen Ösen entstammt ursprünglich dem Werk Jean Bérains d.Ä. (1640 - 1711), der seinerseits die Grotesken der Renaissance neu interpretierte. Viele Künstler in seiner Nachfolge, u.a. Jean Baptiste Oudry (1686 - 1755) und Jean Pillement (1728 - 1808), beschäftigen sich gleichfalls mit diesen fantastischen Kompositionen. David Roentgen konnte seinen Käufern nicht länger die großartigen Rocaillemotive seines Vaters anbieten - er musste sich nach anderen, zeitgemäßen Dekorationen umschauen. So gewann er Januarius Zick als Ideengeber für großformatige Marketeriebilder. Aber er ließ auch die Handwerker seiner Werkstatt Ideen entwickeln. Rückblickend zählen seine Intarsien zu dem Bedeutendsten, was die Möbelkunst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Provenienz

Am 31. März 1976 bei Fischer-Böhler, München, erworben.
Westfälische Privatsammlung.

Literaturhinweise

Vgl. Huth, Roentgen, München 1974, Abb. 238, die sehr ähnliche, aber wuchtigere Kommode aus dem Landesmuseum in Kassel.

Lot 406 Dα

Schätzpreis:
20.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
26.250 €