Hochbedeutender Schreibschrank von Abraham Roentgen

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Hochbedeutender Schreibschrank von Abraham Roentgen

Palisander, rotes Satin-, Rosen-, Königs- und Schlangenholz, Nussbaummaser, Marketerien in Stechpalme, Hainbuche, gefärbtem und brandschattiertem Ahorn auf Eiche, Zarge in Buche, Messing, vergoldete Bronzebeschläge, Schlösser in Eisen, ersetztes grünes Wachstuch mit geprägtem Rand, Marmor "brocatello di Siena". A deux corps. Kommodensekretär mit Frontklappe, "secrétaire à abattant". Zoomorph geschnitzte Füße unter konkav ansteigender, vertikal markettierter Zarge. Lose darauf aufgesetzt der Möbelkorpus mit tiefer Bauchung im Bereich des unteren der beiden Schübe. Das Mittelfach, innen gerahmt von zwei Reihen mit je fünf Schüben und zwei Schüben darüber, mit doppelt aufgebogener Blende und verschließbar mit einer vertikalen Jalousie mit gezackt furnierten Lamellen. Dahinter sieben Schübe unter einem oberen Fach. Alle Schubfronten lebhaft strukturiert durch Maserfurnier und betonte Ränder. Der äußere Korpus durchgehend vertikal furniert, auch über die Traversen und Messingkehlen. Auf allen drei Seiten besonders feine und detailreiche Blumenintarsien, gerahmt von Filets mit Rocaillemotiven in den Mitten und Ecken. Klebezettel mit schablonenartiger Initiale „K“ auf der Korpusunterseite. Ein Bronzebeschlag innen ergänzt, Schlüssel später, der Marmor restauriert. Ganz geringe unauffällige Schwundrisse. H 143,5, B 88, T ca. 55 cm.
Neuwied, um 1765.

Achim Stiegel beschreibt nicht nur genau die für dieses Möbel verwendeten Hölzer, sondern auch die Technik der Blumenintarsien: Das Ahornholz wurde hell- und dunkelrot, grün und blau gefärbt und stellenweise mit Brandschattierungen versehen. Die Konturen ergeben sich aus Stichel- und Sägegravuren, die teilweise mit rotem und schwarzem Kitt gefüllt wurde, außerdem gibt es kräftige schwarze Kittschattierungen. Feine farbige Hirnholzstifte wurden für die Blütenstempel verwendet.
Als Vorlage für die Intarsien könnten Druckgraphiken von Jean-Baptiste Monnoyer (1636 - 1699) gedient haben, die auch die Bemalung der ungefähr zeitgleichen Fayence aus Strasbourg inspirierte. Die Kupferstiche nach seinen legendären Blumenstillleben wurden von Nicolas de Poilly aber auch von Pieter Mortier in Amsterdam verlegt, wo Abraham Roentgen sie vermutlich für seine Marketerien entdeckt haben könnte.

Provenienz

Wohl vom späten 19. Jh. bis 1984 im Besitz der Familie Peters, zuletzt Elisabeth Peters in Sidmouth, Devon.
Verst. Phillips, Son & Neale London am 19. Juni 1984, Lot 100.
Otto v. Mitzlaff, Wächtersbach.
Seit 1985 in einer westfälischen Privatsammlung.

Literaturhinweise

Abgebildet bei Fabian, Roentgenmöbel aus Neuwied, Bad Neustadt 1986, Abb. 446 - 458.
Abgebildet bei Fabian, Abraham und David Roentgen. Das noch aufgefundene Gesamtwerk ihrer Möbel- und Uhrenkunst in Verbindung mit der Uhrmacherfamilie Kinzing in Neuwied. Leben und Werk, Verzeichnis der Werke, Quellen, Bad Neustadt 1996, S. 148f, Nr. 341.

Lot 407 Dα

Schätzpreis:
300.000 € - 400.000 €

Ergebnis:
375.000 €