Anselm Feuerbach - Jacob freit um Rahel

Anselm Feuerbach - Jacob freit um Rahel - image-1
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Anselm Feuerbach

Jacob freit um Rahel

Öl auf Leinwand. 147 x 182 cm.

Das vorliegende Gemälde ist ein frühes und großformatiges Werk von Anselm Feuerbach. In seinem Gutachten von 1953 datierte es Paul Wember in die Düsseldorfer Studienzeit des Künstlers. Jürgen Ecker schlug dagegen im 1991 erschienenen Werkverzeichnis eine Datierung in die Zeit des ersten römischen Aufenthalts vor und hält heute eine Entstehung im Karlsruher Atelier des Künstlers um 1854 für wahrscheinlich, kurz vor dem ersten Italienaufenthalt Feuerbachs.
Das Thema unseres Gemäldes ist dem 1. Buch Moses entnommen (Kap. 29). Nachdem sich Jakob den Segen des Erstgeborenen durch seinen Vater Isaak erschlichen hatte, bedrohte ihn sein älterer Bruder Esau mit dem Tod und Jakob floh zu seinem Onkel Laban von Haran. Er verliebte sich in dessen Tochter Rahel und diente sieben Jahre bei Laban, um diese heiraten zu können. Am Ende der sieben Jahre gab ihm Laban jedoch nicht wie vereinbart Rahel, sondern der Tradition folgend deren ältere Schwester Lea zur Frau. Um auch Rahel heiraten zu können, musste er Laban sieben weitere Jahre dienen.
Feuerbach stellt den Moment dar, in dem Jakob seinem Onkel Vorhaltungen macht, nicht die erbetene Rahel, sondern deren Schwester zur Frau bekommen zu haben. Die beiden Hauptfiguren sind der junge Jakob und sein Onkel Laban. Zwischen ihnen steht Rahel, am rechten Bildrand sitzt Lea mit ihrer älteren Dienerin Silpa. Während Jakob und Rahel vor einem weiten Landschaftsausblick und Lea mit ihrer Dienerin vor einer laubumrankten Häuserwand dargestellt werden, bildet die mittlere Figur des Laban eine Verbindung dieser beiden Hintergrundszenerien. Feuerbach gibt die fünf Figuren in einer vergleichsweise strengen Anordnung nebeneinander wieder, wobei ein besonderer Reiz in der Gestik der Hände liegt, die das komplizierte Beziehungsgeflecht verdeutlichen. Sowohl Jakob (vorwurfsvoll) als auch Laban (anbietend) verweisen auf die mit gesenktem Kopf sitzende Lea. Mit der anderen Hand hält Laban den Arm seiner jüngeren Tochter Rahel fest. Deren anderer Arm wiederum ist in Demutsgeste vor die Brust gehalten. Die Dienerin Silpa verweist mit einer Hand auf die beiden Kontrahenten Jakob und Laban und stützt mit der anderen ihre Herrin, die wiederum in Verzweiflung und Passivität beide Arme sinken lässt.
Unser in kleinen Partien noch unvollendetes Werk zeigt bereits die charakteristischen Merkmale von Feuerbachs Stil aus seiner römischen Zeit, insbesondere die klassisch beruhigte Komposition mit einer statuarischen Figurenbildung und zurückhaltendem Kolorit. Feuerbach steht damit durchaus im Gegensatz zu einigen seiner Zeitgenossen, beispielsweise dem Wiener Malerfürsten Hans Makart oder dem Münchener Akademiedirektor Carl Theodor von Piloty, die zu einer prunkvolleren und dekorativen Malerei mit deutlich kräftigerem Kolorit neigten. Demgegenüber ist Feuerbach ein Vertreter der idealen Malerei des 19. Jahrhunderts.
Wir danken Herrn Dr. Jürgen Ecker für seine nochmalige Bestätigung der Eigenhändigkeit von Anselm Feuerbach auf der Grundlage hochauflösender Fotografien.

Zertifikat

Paul Wember, Krefeld, 5.8.1953 (abgedruckt bei Ecker, a.a.O., S. 204f).

Literaturhinweise

Jürgen Ecker: Anselm Feuerbach. Leben und Werk. Kritischer Katalog der Gemälde, Ölskizzen und Ölstudien, München 1991, S. 204f, Nr. 332.

Ausstellung

Von 1969 bis 1979 als Leihgabe im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld.

Lot 2249 Dα

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
125.000 €