Gerhard Richter - Abdallah

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Gerhard Richter

Abdallah
2010

Lack hinter Glas. Ca. 22 x 16 cm (32 x 32 cm). Gerahmt. Auf der Rahmenrückseite signiert und datiert 'Richter 2010' sowie mit der Werknummer '917-59'.

In dieser Auktion kann mit einer umfangreichen Sektion von Gerhard Richter-Arbeiten ein Überblick über sein Schaffen, insbesondere der Editionen, angeboten werden. Die Werke überspannen einen Zeitraum von 1969 bis 2015, deutlich wird die mediale Bandbreite, mit der der Künstler arbeitet.
Die Editionen nehmen im Schaffen Richters einen besonderen Stellenwert ein. Hier lässt er die überkommenen druckgraphischen Techniken hinter sich, eignet sich neuartige Verfahren an und kombiniert gegensätzliche Techniken über die traditionellen Gattungsgrenzen miteinander. Mit großer Experimentierfreude erprobt Richter innovative mediale Ausdrucksmöglichkeiten und erweitert seine bildnerischen Möglichkeiten stetig: „Manchmal denke ich, ich sollte mich nicht Maler nennen, sondern Bildermacher. Ich bin mehr an Bildern interessiert als an Malerei“ (Gerhard Richter, zit. nach: Hubertus Butin u.a. (Hg.), Gerhard Richter, Editionen 1965-2013, Ostfildern-Ruit 2014, S.8).
Das Frühwerk wird vertreten von einem Exemplar der Folge „Neun Objekte“ (Lot 129) aus dem Jahr 1969, das sich ehemals im Besitz von Richters Freund und Künstlerkollegen Blinky Palermo befand. Die Offsetdrucke nach eigenen Photographien von selbstgebauten Holzobjekten vereinen gleich drei aufeinander aufbauende Medien in sich.
Die Edition „Grau“ (Lot 124) von 1974 greift die seit 1966 im Werk Gerhard Richters immer wieder präsente Farbe Grau als monochromes Bildthema auf. Die Ölfarbe auf Glas zeigt - im Gegensatz zu der 2015 erscheinenden ebenfalls monochromen Edition „Grauer Spiegel“ (Lot 125) - die Pinselspuren des Farbauftrags und damit die individuelle Handschrift des Künstlers.
Bei dem kleinformatigen Ölgemälde „Blech“ (Lot 123), das der Künstler 1988 als Jahresgabe des Bonner Kunstvereins schafft, handelt es sich um ein Exemplar aus einer Serie von Unikaten. Gänzlich abstrakt, evoziert es doch den titelgebenden Eindruck einer gebogenen Metalloberfläche.
Die Hinterglas-Edition „Schwarz, Rot, Gold II“ (Lot 130) von 1998 steht in engem Bezug zu der monumentalen Arbeit „Schwarz, Rot, Gold“ aus emailliertem Glas, die Richter als Auftragswerk für den deutschen Bundestag in Berlin ausführt (WVZ 856).
In zwei übermalten Photographien aus dem Jahr 2000 „11. Jan. 2000 (Firenze)“ (Lot 128) und „13. Nov. 2000“ (Lot 127) überlagert Richter die zweidimensionale Reproduzierbarkeit der Photographie mit der Haptik und Individualität des gemalten Bildes: „Die Fotografie hat fast keine Realität, ist fast nur Bild. Und die Malerei hat immer Realität, die Farbe kann man anfassen, sie hat Präsenz; sie ergibt aber immer ein Bild“, wie Richter selbst beschreibt (zit.nach: Gerhard Richter online-Werkverzeichnis, Zitate).
Die Editionen von „Haut I“ (Lot 133) und „Haut II“ (Lot 134) von 2004 folgen thematisch seinen beiden „Abstraktes Bild (Haut)“ betitelten Ölgemälden (WVZ 887-2 u. 887-3). Richter modifiziert hier das Fotomotiv „milch, 75 hz“ von Carsten Nicolai aus dem Jahr 2000. Nicolai fotografierte in einer Serie die Oberfläche von Milch, die einem akustischen Signal in Frequenzen zwischen 10 und 150 hz. ausgesetzt war. Der akustische Einfluss versetzte die Oberfläche der Flüssigkeit in eine permanente Vibration und schuf individuelle Bewegungsstrukturen.
„Abdallah“ (Lot 126) ist Teil einer Werkgruppe von Hinterglasgemälden, die 2008 bis 2010 entstehen. Die leuchtenden, abstrakten Farbschlieren und -schichtungen haben die Wirkung von geologischen Formationen oder Edelsteinschnitten. Richter lässt dafür die Farbe zunächst auf einen Plexiglasträger fließen und greift in diesen zufälligen Prozess der Bildwerdung durch den Einsatz von Pinseln und Spachteln ein. Auf den gewünschten Ausschnitt der entstandenen Komposition drückt er die Glasplatte als Bildträger, die nun die Farbstrukturen auf ihrer Rückseite dem Betrachter nur mittelbar offenbart. Die weiteren Titel dieses Werkzyklusses, wie „Bagdad“, „Sindbad“ und „Ifrit“, machen die Beschäftigung des Künstlers mit der Kultur des vorderen Orients deutlich.
Die aktuellste Arbeit „Grauer Spiegel“ (Lot 125) datiert von 2015. Sie entsteht als Jahresgabe des Museumsvereins Mönchengladbach, der Anlass ist die Leihgabe der acht „Grauen Bilder“ (WVZ 367-1 - 367-8), die sich seit 1975 im Besitz des Museums Mönchengladbach befinden, an die Fondation Beyeler in Basel für die Ausstellung „Gerhard Richter: Bilder / Serien“. Das für die Edition rückseitig mit einer Einbrennlackierung überzogene Glas erscheint als graue Spiegelfläche, die das Bild des Betrachters reflektiert.

Werkverzeichnis

Gerhard Richter Online-Werkverzeichnis, Works behind glass, WVZ-Nr. 917-59

Provenienz

Galerie Fred Jahn, München; Privatsammlung, Deutschland

Ausstellung

München 2011 (Galerie Fred Jahn), Gerhard Richter, Glas and Pattern 2010-2011

Lot 126 D

Schätzpreis:
100.000 € - 150.000 €

Gebot
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