Franz Wilhelm Seiwert
Fahnenträger
Um 1922
Eisenguss Höhe 49,3 cm Unbezeichnet. Wohl Unikat, gegossen in den 1960er Jahren. - In guter Erhaltung.
Die Plastik "Fahnenträger" illustriert programmatisch die Verbindung von Kunst und radikaler Politik, die die Künstlergruppe der "Kölner Progressive" anstrebte. Zum Kern dieser losen Gruppierung gehörten neben Franz Wilhelm Seiwert auch Heinrich Hoerle und Gerd Arntz, ihr politisches Programm war der Klassenkampf mit dem Ideal des Rätekommunismus. Nicht nur der innere Gehalt, auch die äußere Form ihres künstlerischen Ausdrucks sollten diesem Ziel dienen. Der Inhalt müsse die "Form zu sich umzugestalten, Inhalt und Form müssen Kampf, Solidarität, Klassenbewußtsein des Proletariats sein", wie Seiwert es formuliert (zit. nach: Köln progressiv 1920 - 33, Seiwert - Hoerle - Arntz, Ausst.Kat. Museum Ludwig Köln 2008, S. 23).
In der Plastik versinnbildlichte Seiwert die Geschlossenheit, mit der sich die Arbeiter unter der Fahne versammeln. 1927 setzte er das Thema eines einzelnen Fahnenträgers in einem gleichnamigen Ölgemälde um (vgl. Bohnen 92, dort noch als verschollen bezeichnet).
Es existiert auch das Original in Gips, welches sich zunächst im Besitz der mit Seiwert eng befreundeten Familie de Wit befand. Nach deren Auswanderung nach Russland übernahm Familie Kubicki die Plastik und ließ nach Zustimmung Juscha de Wits wohl Mitte der 1960er Jahre bei der Firma Buderus diesen Eisenguss anfertigen. Die Gipsplastik ging an Juscha de Wit zurück und gelangte von dort in den Besitz von Gerd Arntz.
Werkverzeichnis
Bohnen 392
Provenienz
Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin; Familienbesitz
Literaturhinweise
Uli Bohnen/Dirk Backes, Franz W. Seiwert. Schriften, Berlin 1978, Abb. S. 89 (Gips)
Ausstellung
Berlin (West) 1975 (Akademie der Künste), Politische Konstruktivisten - Die „Progressiven“ 1919-1933