Ossias Beert - Stillleben mit einem Weinglas à la façon de Venise sowie einem Zinnteller mit kandierten Früchten

Ossias Beert - Stillleben mit einem Weinglas à la façon de Venise sowie einem Zinnteller mit kandierten Früchten - image-1
Ossias Beert - Stillleben mit einem Weinglas à la façon de Venise sowie einem Zinnteller mit kandierten Früchten - image-1

Ossias Beert

Stillleben mit einem Weinglas à la façon de Venise sowie einem Zinnteller mit kandierten Früchten

Öl auf Kupfer. 25 x 35,5 cm.

"This is an excellent example of the work of Osias Beert I", schreibt Fred Meijer im Oktober 2020 in einer kurzen Stellungnahme zu dem uns vorliegenden Stillleben, welches er in die Zeit um 1610 datiert. Osias Beert ist neben Jan Brueghel d. Ä. (1568-1625) und Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573-1621) einer der bedeutendsten Stilllebenmaler des frühen 17. Jahrhunderts, der die Entwicklung dieses Genres maßgeblich geprägt hat. Nur wenige seiner Werke sind signiert, keines datiert.
Das uns vorliegende Stillleben mit einem Weinglas à la façon de Venise sowie einem Zinnteller mit kandierten Früchten zeigt sich, wie so häufig bei diesem Genre, als Gelegenheit gesellschaftlicher Repräsentation, Zeichen kultivierter Lebensart, Wohlstand und sozialer Stellung seines Auftraggebers. Zu den frühen Süßwaren, die bereits im mittelalterlichen Europa verzehrt wurden, gehörten auch in Zucker kandierte Früchte, die üblicherweise am Ende einer Mahlzeit gereicht wurden. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Alltagsspeise, sondern sie demonstrieren den damals betriebenen Delikatessenkult der Oberschicht. Auch das dazugehörige, den lukullischen Genüssen würdige Essgeschirr in Form eines Zinntellers und eines feinen venezianischen Weinglases sind ein Zeichen von Opulenz und Prunk. Süßigkeiten, hier in Form von kandierten Früchten, symbolisieren die Hingabe an die Begierden und die Wollust und mahnen den Betrachter somit zur Bescheidenheit. Auch das Weinglas nimmt Bezug auf die irdischen Freuden.
Die Stillleben Osias Beerts d. Ä. sind trotz ihrer teils inhaltlichen Fülle immer von einer ausgesprochenen Klarheit und Ausgewogenheit ihrer Komposition gekennzeichnet. Auch das warme Kolorit und die Inszenierung der Objekte vor dunklem Hintergrund auf einer Tischplatte sind typische Charakteristika seiner Werke.
Gemälde von Osias Beert befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderem im Rijksmuseum in Amsterdam, in der Gemäldegalerie in Berlin, im Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Brüssel, im Wallraf-Richartz-Museum in Köln, im Museo Nacional del Prado in Madrid, im Musée du Louvre in Paris sowie in der National Gallery of Art in Washington.
Unser Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk Osias Beerts unter der Nr. 59323 archiviert.
Wir danken Dr. Fred G. Meijer für die Bestätigung der Authentizität anhand hochauflösender Fotografien.

Provenienz

1968 bis 1969 Kunsthandel P. de Boer, Amsterdam. - 1983 Privatsammlung, Paris. - 1996 bis 1997 Galerie Sanct Lucas, Wien (ausgestellt auf der TEFAF, Maastricht, März 1996 und 1997). - 1997 bis 1998 Kunsthandel Derek Johns, London (ausgestellt im
Salon des Beaux-Arts, Paris, September 1997, mit Abb. im Kat. S. 76. und ausgestellt auf der TEFAF, Maastricht, März 1998). - Auktion Sotheby's, New York, 28.1.1999, Lot 312. - Galerie Edel, Köln, 2002 (ausgestellt auf der TEFAF, Maastricht, März 2002, mit Abb. im Kat. S. 84).

Literaturhinweise

Edith Greindl: Les peintres flamands de la nature morte au XVIIe siecle, 1983, S. 188, Nr. 28. - Gabriel Diss und Laurent Thurnherr (Hg.): Ausst.-Kat. "Un cabinet imaginaire. Natures mortes et vanités du XVIIème siècle", Vic-sur-Seille, Musée Départemental Georges de La Tour, Bremen 2005, S. 12-13.

Ausstellung

Un cabinet imaginaire. Natures mortes et vanités du XVIIème siècle, Vic-Sur-Seille, Musée départemental Georges de La Tour, 10.5.-4.9.2005.

Lot 10 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
375.000 €