Henri Laurens - Femme couchée (de face)

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Henri Laurens

Femme couchée (de face)
1921

Bronzerelief 13,7 x 39,2 cm In Acrylglasständer gerahmt. Rückseitig mit einem fragmentierten Papieretikett der Galerie Louise Leiris, Paris. Darauf handschriftlich mit Tinte der Titel und die Auflagenhöhe vermerkt. Einer von 8 Güssen. - Mit schöner olivfarbener, teils rötlich changierender Patina.

Das vorliegende Relief „Femme couchée (de face)“ zeigt einen formatfüllenden liegenden weiblichen Akt. Der Körper, nach den Prinzipien des Kubismus in einzelne geometrische Formen zerlegt, ist nahezu allansichtig dem Betrachter zugewandt: der Kopf ins verlorene Profil nach links gedreht, die Brüste und Oberkörper enface, der Bauch in Gegentorsion aufwärts zeigend im gleichzeitigen Aufscheinen der Gesäßrundung. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ist hier zu einem Raum-Bild-Kontinuum zusammengefügt. Werner Hofmann, der sich schon früh mit den Arbeiten von Henri Laurens beschäftigt, richtet seinen sezierenden Blick auf eine Kopfplastik von 1920, und die hier formulierten Erkenntnisse sind hinsichtlich unseres Reliefs interessant: „Die Dissoziierung, nicht als expressive Verletzung, sondern als syntaktische neue Freiheit aufgefaßt, […] demonstriert nicht nur den Variationsraum, den der Bildhauer dem Vorwand ‚Kopf' abgewinnt, sie zeigt auch ein Grundgesetz des Kubismus auf. Ich denke an die Interpenetration von gegenständlichen Zitaten und gegenstandsfreien Zeichen, wobei letztere stimmführend auftreten und den formalen Aufbau lenken. Ihre Ambivalenz befähigt sie dazu, auch die Funktion von Gegenstandshinweisen zu übernehmen.“ (Werner Hofmann, op. Cit, S. 12).
Daniel Henry Kahnweiler, der seine Pariser Galerie in den späten 1930er Jahren aufgeben muss und seiner Schwägerin Louise Leiris überträgt, lernt Henri Laurens 1920 kennen. Rückblickend beschreibt er: „Picasso [hatte] den Montmartre verlassen, aber Juan Gris lebte noch im Bateau Lavoir, und Braque wohnte mit seiner Frau in der Rue Simon-Dereure. Laurens und er konnten sich von ihren Fenstern aus zuwinken. […] Ich habe oft genug darauf hingewiesen, wie bedeutend mir das Werk Henri Laurens' erscheint. Seinen Anteil den der ‚großen Epoche' des Kubismus kann man kaum hoch genug einschätzen. […] Seine Entwicklung scheint mir ähnlich zu verlaufen wie die seiner Gefährten Braque, Juan Gris, Picasso.“ (zit. nach: ebenda, S. 49 f.).

Provenienz

Galerie Louise Leiris, Paris, dort erworben; seitdem Familienbesitz USA

Literaturhinweise

Marthe Laurens, Henri Laurens. Sculpteur 1885-1954, Paris 1955, Nr. IV, S. 95 mit Abb.; Werner Hofmann, Henri Laurens. Das plastische Werk, New Stuttgart 1970, S. 217, S. 103 mit ganzseitiger Abb.

Ausstellung

Köln/Krefeld/Hamburg/Basel/Berlin 1955/1956 (Eigelsteintorburg/Kaiser Wilhelm Museum/Kunstverein Hamburg/Kunsthalle/Haus am Waldsee), Henri Laurens, Kat. Nr. 6; London 1971 (The Arts Council), Sculpture and Drawings by Henri Laurens, S. 39 mit Abb.; Bielefeld 1972 (Kunsthalle), Henri Laurens. Plastiken, Graphiken, Zeichnungen, Kat. Nr. 2, S. 24 mit Abb.; Hannover 1985 (Sprengel Museum), Henri Laurens, Kat. Nr. 3, S. 21 mit Farbabb. (Sammlungsexemplar); Lugano 1986 (Galleria Pieter Coray), Laurens Cubista, Kat. Nr. 21, S. 70 mit Abb.

Lot 28 N

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
45.000 €