Franz Radziwill - Landschaft mit zwei Felsen

Franz Radziwill - Landschaft mit zwei Felsen - image-1
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Franz Radziwill

Landschaft mit zwei Felsen
1947

Öl auf Leinwand auf Holz 54,5 x 71,5 cm Gerahmt. Am Unterrand rechts der Mitte grau signiert 'Franz Radziwill'. - Insgesamt in schöner Erhaltung.

In Franz Radziwills späten Landschaften fallen Raum und Zeit auseinander - oder ineinander. Montageartig entwickelt der Künstler in seinen Werken Gedankenlandschaften, die Fragmente unterschiedlichster Kontexte in fiktiven Tableaus zusammenführen. Es sind unmögliche Landschaften, deren vielfältige erzählerische Versatzstücke und Bildelemente tradierte Konzepte von Räumlichkeit grundsätzlich in Frage stellen.
Zur Zeit der Entstehung unseres Bildes, ist die bekannte Welt noch zu einem guten Stück aus den Angeln gehoben - nach Einsatz im Volksturm und seiner englischen Gefangenschaft in der Endphase des zweiten Weltkrieges sieht sich auch Franz Radziwill in den unmittelbaren Nachkriegsjahren einer Zeit des Aufbruchs entgegen. In vielerlei Hinsicht stellen diese Jahre eine Zwischenphase dar, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlagern.
Im Spannungsfeld von Apokalypse und Vision präsentiert unser vielfach prominent ausgestelltes Gemälde dem Betrachter eine Welt, in der alte Ordnungsprinzipien längst in Auflösung begriffen sind: In offener Landschaft stehen zwei Felsen einander gegenüber, Monolithe vor Wiesen und Feldern, deren teils geometrische Muster Erinnerungen gleichermaßen an eine verlorene Zentralperspektive und Natur wecken. Während das Geäst toter Bäume im Vordergrund kein Leben mehr in sich zu tragen scheint, wirkt das Grün der dahinterliegenden Vegetation umso vitaler. Den Himmel gestaltet Radziwill als Illusion einer Holztafel, die in der Mitte aufreißt: Hinter einem kugelrunden Himmelskörper öffnet sich dem Betrachter der Blick in einen indefiniten Raum, von rechts fliegt ein Mauersegler heran.

Werkverzeichnis

Firmenich/Schulze 591

Provenienz

Galleria d'Arte Stivani, Bologna (mit rückseitigem Papierklebe-Etikett); Privatsammlung, Italien; Privatsammlung, Frankreich

Ausstellung

Bremen/Köln 1948 (Graphisches Kabinett/Galerie Aloys Faust), o. Kat. Nr.; Wilhelmshaven 1949 (Kunsthalle), o. Kat. Nr.; Goslar 1952 (Museum Goslar), o. Kat. Nr.; Oldenburg 1955 (Kunstverein, Kat. Nr. 38; Berlin 1957 (Nationalgalerie), Kat. Nr. 40; Unterkochen 1959 (Fa. Wöhr Eisenwerke), o. Kat. Nr.; Düsseldorf 1970 (Galerie Wendtorf & Swetec), Kat. Nr. 24; Gießen 1970 (Bürgerhaus), Kat. Nr. 17; Bremen/Hannover 1970 (Kunsthalle/Kunstverein), Kat. Nr. 25, Trier/Koblenz 1972 (Städtisches Museum/Mittelrhein-Museum), o. Kat. Nr.

Lot 39 D

Schätzpreis:
100.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
150.000 €