Arnulf Rainer - Feuer-Mund (Fingerfarbfest)

Arnulf Rainer - Feuer-Mund (Fingerfarbfest) - image-1
Arnulf Rainer - Feuer-Mund (Fingerfarbfest) - image-2
Arnulf Rainer - Feuer-Mund (Fingerfarbfest) - image-1Arnulf Rainer - Feuer-Mund (Fingerfarbfest) - image-2

Arnulf Rainer

Feuer-Mund (Fingerfarbfest)
1981

Öl und Ölkreide auf zwei aneinander montierten Kartons. 73 x 102 cm. Gerahmt. Monogrammiert und betitelt 'aR. FEUER-MUND AR'. Rückseitig signiert und beschriftet 'Farbfest für Dokum[...] A. Rainer'. - Mit Atelierspuren.

Im Jahr 1973 entdeckt Arnulf Rainer die Fingermalerei aus einer Notwendigkeit heraus: als ihm bei der konzentrierten Arbeit an einer Fotoübermalung der Pinsel abbricht, nutzt er die bloßen Finger, um das Bild ohne Unterbrechung fertigstellen zu können. Der unmittelbare Farbauftrag und die damit verbundenen gestischen Ausdrucksmöglichkeiten faszinieren ihn dermaßen, dass die Arbeit mit Fingern, Händen und Füßen von nun an zu seiner bevorzugten Technik wird. In den ersten Fingermalereien schlägt der Künstler die Farbe in gewaltsamen Aktionen auf den Malgrund, blutende Hände und vollkommene Erschöpfung sind die Folgen dieser Exzesse. Diese Kämpfe mit der Materie wandeln sich in den folgenden Jahren zu einem gemäßigteren, aber weiterhin körperlich und emotional äußerst intensiven Vorgang. Da sich Leinwand aufgrund ihrer Rauheit als ungeeignet erweist, arbeitet Rainer meist mit glatten Kartonplatten, um Verletzungen zu vermeiden.
„Aus einer impulsiven Ohrfeigenattacke entstanden, die ich meiner eigenen Photoattrappe versetzte, hat sich die Malerei mit den eigenen Gliedern für mich immer mehr als eine Fundgrube für (umgesetzte) körperliche Berührungsgebärden erwiesen. […] Meistens ergaben sanfte Bildgrundbetastungen den Anfang. Nur wenn sich da nicht genügend Leben, das heißt Spurenintensität regte, streichelte, rieb und drosch ich allmählich. Trotzdem träumte ich weiter von sanften, flüssigen Berührungen, um daraus eine Bildlebendigkeit zu erweichen und zu erwecken, die heftige Erregung widerstrahlt.“ (Arnulf Rainer, zit. nach: Arnulf Rainer, Ausst. Kat. Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1990, S. 47).
Das farbintensive, von gitterartigen Strukturen bestimmte „Fingerfarbfest (Feuer-Mund)“ erarbeitet der Künstler als Teil einer 6-teiligen Werkgruppe für die documenta 7, die 1982 unter der kuratorischen Leitung von Rudi Fuchs stattfindet.

Zertifikat

Wir danken dem Atelier Arnulf Rainer, Wien, für hilfreiche Auskünfte.

Provenienz

Galerie Lelong, Zürich (mit rückseitigen Aufklebern); Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

Barcelona 1998 (MACBA Museu d'Art Contemporani de Barcelona), documenta 7, 1982, A view of European painting of the moment
New York 1989 (Solomon R. Guggenheim Museum), Chicago (Museum of Contemporary Art), Wien (Historisches Museum der Stadt Wien), Den Haag 1990 (Haags Gemeentemuseum), Arnulf Rainer, Ausst.Kat.Nr.101 mit Farbabb. 54 (mit rückseitigem Aufkleber)
Rivoli 1990 (Castello di Rivoli Museo d'arte contemporanea), Arnulf Rainer, Ausst.Kat.Nr.54 mit Farbabb.
Zürich 1985 (Galerie Maeght Lelong), Arnulf Rainer, Ausst.Kat., S.7 mit Farbabb.
Kassel 1982 (documenta 7), Ausst.Kat., Bd.II, S. 277 mit Abb. (mit rückseitigem Aufkleber)

Lot 53 D

Schätzpreis:
50.000 € - 60.000 €

Ergebnis:
118.750 €