Schatulle mit Habsburger Wappen
Kirsche massiv (prunus mahaleb, bois de Sainte Lucie), spätere vermessingte Eisenbeschläge. Oblonge Kastenform mit Klappdeckel, überstehendem Deckel- und Bodenrand. Auf den vier Seitenflächen und dem Deckel dekoriert mit reliefierten Blattranken, in einer Vierpasskartusche der Doppeladler des Heiligen Römischen Reichs. Riss im Deckel vorne links, kleine Bestoßungen an der unteren Kante. H 7,3, B 31,7, T 24,5 cm.
Lothringen/ Nancy, Werkstatt des César Bagard, zugeschrieben, letztes Drittel 17. Jh.
Das sogenannte "Bois de Sainte Lucie" stammt von einem Wald, der eine Kapelle für die Heilige Lucia umgab und der sich in Sampigny an der Maas in der Nähe von Nancy, südlich von Verdun, befand. Nur in diesem geografischen Gebiet wachsen ganz besondere Bäume: die Kirschbäume von Sainte-Lucie oder Weichselkirsche. Das Holz dieses Baumes, der bis zu 8 m hoch werden kann, ist von so hervorragender Qualität und auffällig schöner goldroter Farbe, dass sich viele Kunsthandwerker entschlossen, daraus kostbare Gegenstände zu schnitzen. Nach dem kriegsbedingten Gold- und Silberbann von 1689 bot das Material ebenso wie die in Frankreich produzierte Fayence, eine Alternative für die Käufer von Luxusobjekten. In der Gestaltung der Objekte übernahm man Motive und Formen der Goldschmiedekunst, wie die feinen reliefierten Blattranken dieser Schatulle, die die vier Außenseiten und den Deckel zieren.
Der berühmteste Handwerker, der dieses wertvolle Holz bearbeitet hat, ist César Bagard (1620-1709) aus Nancy. Nach ihm wird das Holz heute auch „bois de Bagard“ genannt. Neben der Bildschnitzerei produzierte seine Werkstatt auch zahlreiche Objekte des täglichen Gebrauchs wie Spiegelrahmen, Perückenkästen, Puderdosen, Kerzenhalter und Tabakraspeln.
Literaturhinweise
Vgl. Pall, Versperrbare Kostbarkeiten aus der Hanns Schell Collection, Graz 2006, Nr. 67.
Vgl. Wilson (Hg), Baroque and Régence Catalogue of the J. Paul Getty Museum Collection, Los Angeles 2008, Nr. 23 (eine ähnlich gestaltete Pfeifendose).