Lot 190 D α

Paar Canapés en corbeille

Auktion 1182 - Übersicht Köln
15.07.2021, 11:00 - The Exceptional Bernard De Leye Collection
Schätzpreis: 50.000 € - 60.000 €

Paar Canapés en corbeille

Buche und Weichholz, mouluriert, gefasst, vergoldet, Polsterung, ersetzte Bezüge. Auf sechs kannelierten Säulenbeinen gerade Zarge auf länglich ovalem Grundriss. Geschlossene gepolsterte Arm- und Rückenlehnen mit fein moulurierten profilierten Lehnenrahmen, gereihten Blattmotiven und Perlketten, die Armstützen in Form von gedrehten Pilastern über einer flachen Volutenbasis. Freigelegte Originalfassung. H 93,5, B 144, Sitztiefe 53 cm.
Paris, Georges Jacob, zugeschrieben, um 1780.

Georges Jacob (1739 - 1814) wird als der berühmteste und produktivste Menuisier des 18. Jahrhunderts gesehen. Die außergewöhnlichsten, die elegantesten und die prachtvollsten französischen Sitzmöbel werden ihm zugeschrieben. Ihm gelang das, was anderen Produzenten nicht möglich war: die Umstellung seines Angebots nach der Revolution auf ein komplett neues Repertoire, das dem Geschmack des bürgerlichen Frankreichs entsprach. Dabei half ihm seine Freundschaft zu dem politisch aktiven Maler Jacques-Louis David, dessen berühmtes Gemälde "La Mort de Marat" eine der Inkunabeln des neuen revolutionierten Staates wurde.

Das außergewöhnliche, hier vorgestellte Sitzmöbelpaar stammt noch aus der vorrevolutionären Epoche, der Regierungszeit von König Louis XVI. Seit 1773 erhielt der gelernte Rahmenmacher und Schreiner Georges Jacob Aufträge von der Garde meuble royal, dem königlichen Möbeldepot. Er war 18 Jahre zuvor aus seiner Heimat Cheny in Burgund nach Paris gekommen, wo er am 4. September 1765 die Meisterprüfung ablegte und das Recht erhielt, einen Stempel zu führen. Sein Schwerpunkt lag weiterhin in der Arbeit als Menuisier, Rahmenmacher, also in dem Handwerk des Schnitzens. Er fertigte nicht nur Sitzmöbel, sondern auch Betten, Stellschirme, Konsolen, Leuchterfüße in schönsten Proportionen, mit feinsten Details. Dabei ließ er sich als einer der ersten französischen Handwerker auch von englischen Vorlagen inspirieren. Er entwickelte eine naturalistische, plastische Ornamentik, die von großer Akribie geprägt war. Marie Antoinette liebte seine Kreationen, und er schuf zahlreiche Objekte für ihre Privaträume in Versailles, für das Trianon und das Schloss in Saint-Cloud. Die beiden Canapés stehen den Möbeln für Saint-Cloud sehr nahe, allerdings tragen sie keinen Inventarstempel, sind also vermutlich nur zeitgleich für einen anderen Auftraggeber angefertigt worden.

Literaturhinweise

Zu Jacob s. de Salverte, Les Ébénistes du XVIIIe siècle. Leurs œuvres et leurs marques, Paris 1953, S. 159 ff.
S.a. Kjellberg, Le Mobilier Français du XVIIIe siècle. Dictionnaire des ébénistes et de menuisiers, Paris 2008, S. 451 ff.
Vgl. Beurdeley, Georges Jacob (1739 - 1814) et son temps, Saint-Rémy-en-l'Eau 2002, das Fauteuil für Saint-Cloud, 1788.
Vgl. auch die Chaiselongue von George Jacob bei Pallot, Le mobilier français du musée Jacquemart-André, Dijon 2006, 182 f. Nr. 54.
Vgl. das Canapé in der Sammlung Mobilier National bei Jarry, Stilmöbel Stühle-Sessel-Kanapées von Ludwig XIII. bis Napoleon III, Düsseldorf-Lausanne o.J. (1974), Nr. 28.
Vgl. die Fauteuils im Musée Nissim de Camondo, Inv.Nr. CAM 135.4, CAM 135.7 und CAM 647.1.
Vgl. das Fauteuil, ehemals für die Militärakademie in Saint-Cyr, heute Louvre/ Musée des Arts Décoratifs, Inv Nr. OA 8166.