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Lot 1128 Dα

Seltenes Déjeuner mit fliegenden Kindern

Auktion 1184 - Übersicht Köln
19.11.2021, 11:00 - Kunstgewerbe
Schätzpreis: 10.000 € - 12.000 €

Seltenes Déjeuner mit fliegenden Kindern

Porzellan, kobaltblauer Unterglasurfond, farbiger Aufglasurdekor, Vergoldung und Bronzierung. Bestehend aus einem oval-passigem Tablett, einer Kaffeekanne und Zuckerdose mit zugehörigen Deckeln, Milchkanne, zwei Tassen und zugehörigen UT. Alle Teile dekoriert mit sattem kobaltblauem Fond und goldradierten Rund- und Ovalmedaillons, gerahmt von Lorbeerfestons und Blütenbehang. In den Reserven äußerst fein gemalte Putti mit farbenfrohen Tuchdraperien und Blüten, auf üppigen Wolken sitzend. Auf den Deckeln und in den vier Reserven der Fahne des Tabletts ihre in Wolken gebetteten Attribute. Blaumarke Schwerter, teilweise mit Punkt, nicht identifiziertes Dreherzeichen (Tablett), geritzt C (Zuckerdose), verschiedene unterglasurblaue Beizeichen: B, W., _, C.O-. und ein bis 3 Punkte im Standring. Abbruch am Tablett links restauriert, drei kleinere Restaurierungen. Tablett B 35,3, T 26,6, Kanne mit Deckel H 15 cm.
Meissen, um 1770 - 75, der Dekor Johann George Loehnig, zugeschrieben.

Ganz dem Zeitgeschmack entsprechend orientierte sich die Meissener Manufaktur bei diesem Déjeuner nicht nur in Form, sondern auch in Farbe und Dekor an den Produkten der Manufaktur in Vincennes. Das strahlende und gleichmäßige Königsblau als Fond, das in Vincennes als "bleu royale" bereits Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgreich hergestellt wurde - allerdings auf pâte tendre, das wegen des geringeren Kaolinanteils eine niedrigere Brenntemperatur zuließ - erreichte in Meissen erst frühestens 1778 unter dem Oberbergamtsassessor Carl Friedrich Wenzel, eine Verbesserung. 1786 entwickelte er schließlich ein neuartiges Fondblau, ein "schöne[s] Gutbrennblau".
Die besonders filigrane Malerei ist Johann George Loehnig (1743 - 1806) zuzuschreiben. Er gehörte in Meißen zwischen 1764 und 1770 zu den "Historien und Genies Mahlern 1. Classe". Noch 1786 wurde er als "Figuren-Mahler vorzüglichster Classe" in den Malerverzeichnissen der Manufaktur gelistet. Die Vorlagen der üppigen und ausdrucksstarken Putti lieferte zumeist Johann Eleazar Zeissig (1737 - 1806), genannt Schenau, der sich wiederum von François Boucher (1703 - 1770) inspirieren ließ.

Literaturhinweise

Vgl. ein Service mit ähnlichem Dekor, ebenfalls Loehnig zugeschrieben in der Sammlung des Landesmuseum Württemberg in Stuttgart, Inv. Nr. G 8,484 (Kat. Triumph der Blauen Schwerter, Leipzig 2010, Nr. 486.)
Eine kleine Kaffeekanne mit Malersignatur in der Porzellansammlung des SKD (Inv. Nr. PE 1564 a, b).
S.a. Rückert, Meissener Porzellan, München 1966, S. 181, Nr. 770, 771, 772.