Andrea Solario - Ecce Homo

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Andrea Solario

Ecce Homo

Öl auf Holz. 66,5 x 47 cm.

Andrea Solario stammte aus einer in Mailand ansässigen Künstlerfamilie. 1489 wurde er zunächst in Venedig Schüler von Giovanni Bellini und arbeitete ab Mitte der 1490er Jahre, zurück in Mailand, in der Werkstatt von Leonardo. Er wurde einer seiner wichtigsten Nachfolger, und wie dieser reiste auch er nach Frankreich, wo er sich von 1507 bis 1509 aufhielt. Im Alter von 64 Jahren starb Andrea Solario 1524 in Mailand. Seine Werke zeichnen sich durch eine plastische Herangehensweise und intensive Farbigkeit aus. Im Verlauf seiner Entwicklung tauchen immer deutlicher das „Sfumato“ und der Figurentyp Leonardos auf. Wie viele andere italienische Meister ließ Andrea sich zudem von der flämischen Kunst inspirieren. Das fällt insbesondere in dieser Komposition auf, deren Bildidee ihren Ursprung in den flämischen Andachtsbildern des 15. und 16. Jahrhunderts hat.
Keine Komposition Andrea Solarios hat eine größere Wirkung gehabt als sein Gemälde „Ecce Homo“. Das Andachtsbild aus der Passion Christi zeigt den Gedemütigten mit Dornenkrone, gefesselten Händen und einem hohlen Bambusstock als Zepter vor einem dunklen Hintergrund. Sein Haupt ist nach links geneigt, rotbraune Locken fallen über die Schultern und den blauen Umhang, Blutstropfen und Tränen fließen über sein Gesicht und die entblößte Brust. Neben zwei als ursprüngliche und eigenhändig geltende Fassungen in Leipzig (Museum der Bildenden Künste, Inv. Nr. 1660) und Philadelphia (Museum of Art, John G. Johnson Collection) zählt David Alan Brown insgesamt 13 weitere Versionen dieser Komposition auf, darunter das vorliegende Werk unter dem Buchstaben „k“. Brown hat das Gemälde nur anhand einer alten schwarzweißen Photografie gekannt, bezieht sich aber bei der Zuschreibung auf ein Gutachten von Mina Gregori.
In welchem Zusammenhang Andrea Solario sein berühmtes „Ecce Homo" Gemälde geschaffen hat, konnte bisher nicht geklärt werden. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Bild während Solarios Aufenthalt in Frankreich zwischen 1507 bis 1509 entstanden sei. Hierfür spricht die Eichentafel als Malgrund. Das Leipziger Bild allerdings ist im 19. Jahrhundert auf Leinwand übertragen worden und es ist nicht bekannt, ob diese Tafel auf Eiche oder auf Pappelholz gemalt war. An beiden Versionen in Leipzig und Philadelphia ist inzwischen festgestellt worden, dass die Signatur nicht authentisch ist. Auch das vorliegende Bild ist offensichtlich auf Eichenholz gemalt. Mit sehr feinem Pinsel führt der Maler die Gesichtszüge Christi aus und modelliert mit zartesten Tönen die Augenpartie, die durchsichtigen Tränen, das rötliche, in Locken fallende Haar und den Bart. Das Gemälde ist nicht rezent restauriert worden, es befindet sich aber insgesamt in einem guten Erhaltungszustand.

Provenienz

Rheinische Privatsammlung. - Lempertz, Köln, 12.-14.6.1980, Lot 240. - Deutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

David Alan Brown: Andrea Solario, Milano 1987, S. 212-213.

Lot 1507 Dα

Schätzpreis:
200.000 € - 250.000 €

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