Jankel Adler - Halbakt

Jankel Adler - Halbakt - image-1
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Jankel Adler

Halbakt
1927

Öl auf Leinwand 82 x 60,2 cm Gerahmt. Unten links rot signiert 'adler' sowie rückseitig schwarz signiert, datiert, betitelt und bezeichnet 'Jankel Adler "Halbakt" 1927 Düsseldof Liststr. 26'. - Partiell mit feinem Craquelé. Einzelne kleinere Farbverluste und Retuschen vor allem im Weiß und im Bereich der Leinwandkanten.

Mitte der 1920er Jahre wandelt sich Jankel Adlers Formensprache. Nicht zuletzt unter dem Einfluss Pablo Picassos monumental-statuarischer Figurenauffassung der frühen 1920er Jahre wird die Raumaufteilung seiner Kompositionen großzügiger, die Formen fließender und flächiger. Die formale Verwandtschaft mit den volumenbetonten Frauendarstellung Picassos verknüpft Adler mit einer experimentellen Wahl der Malmittel, wobei auch die Materialität seiner Kompositionen einer spezifischen Semantik folgt: „Auf alles Anekdotische ist verzichtet, vielmehr geht es Jankel Adler um eine symbolhafte Darstellung der allgemein-menschlichen Existenz, um grundsätzliche Erfahrungen der Realität, die Unterwerfung des Menschen unter sein Schicksal und den Lebenskreislauf. Adlers Typisierung der Figuren verleiht ihnen eine zeitlos-würdevolle Ausstrahlung; dennoch verkörpern sie eine starke Individualität, und eine visionäre Kraft erfüllt sie im Zustand der der stillen Ergebenheit des Wartens. Adlers symbolhafte Auffassung strebt zu antinaturalistischen Tendenzen, die in der Materialität des mit Sand und Gips gemischten Farbauftrag, im Spiel mit Schatten und Silhouetten und in der Andeutung von Ornamenten anklingen. Möglicherweise will Adler auch andeuten, dass sich in der äußeren Struktur der Dinge die Sprache des Schicksals manifestiert.“ (Ausst. Kat. Jankel Adler und die Avantgarde. Chagall, Dix, Klee, Picasso, Von der Heydt-Museum Wuppertal 2018, S. 303).
Die herausragende Bedeutung des Künstlers innerhalb der europäischen Avantgarden der 1920er Jahre dokumentieren zahlreiche Ankäufe seiner Werke durch private Sammlungen und Institutionen oder die Prämierung seiner Arbeit „Katzen“ auf der Düsseldorfer Ausstellung „Deutsche Kunst“ 1928 - das Gemälde aus dem Jahr 1927 wird anschließend von Joseph Haubrich erworben und befindet sich heute im Museum Ludwig, Köln.
Wie nur wenige Arbeiten dieser Zeit verkörpert unser großformatiger Halbakt in seiner stillen, reduzierten Monumentalität die Essenz dieser wichtigen Schaffensphase Jankel Adlers.

Werkverzeichnis

Nicht bei Heibel

Zertifikat

Wir danken Annemarie Heibel, Isselburg-Anholt, für die Authentizität bestätigende Auskünfte zum Werk. Die Arbeit wird in den Nachtrag des Werkverzeichnisses der Gemälde aufgenommen.

Provenienz

Privatsammlung, Niederlande

Lot 46 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
95.000 €