Franz Marc - Reitergruppe und Frauenakt (Arkadische Gruppe in Landschaft)

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Franz Marc

Reitergruppe und Frauenakt (Arkadische Gruppe in Landschaft)
1910/1911

Bleistift und schwarze Kreide auf Maschinenbütten 17,9 x 11,2 cm Unten rechts mit Bleistift bezeichnet '24'.

In dem später aufgelösten Skizzenbuch XXIII von Franz Marc aus den Jahren 1910/11 war eine Fülle herausragender Zeichnungen versammelt, die arkadische Motive von Tieren und menschlichen Akten in freier Natur behandeln - ein Thema, das sein Schaffen in dieser Zeit beherrschte. Die Figuren sind zumeist in Bewegung und in außergewöhnlichen Perspektiven erfasst, eigen ist ihnen die harmonische Einbindung in die Natur. Ausgehend von Naturbeobachtungen strebte Marc danach, Farbe und Form zu einer Einheit zu verbinden und diese in einen überzeitlichen, vergeistigten Kontext zu versetzen. „Aber wir sollten nichts suchen als den Ausdruck im Bilde; das Bild ist ein Kosmos, der ganz anderen Gesetzen unterliegt als die Natur; die Natur ist gesetzlos, weil unendlich, ein unendliches Neben- und Nacheinander. Unser Geist schafft sich selbst enge, straffe Gesetze, die ihm die Wiedergabe der unendlichen Natur möglich machen. Je strenger die Gesetze sind, desto mehr werden sie ‚Mittel' der Natur, die mit Kunst nichts zu tun haben, beiseite lassen“, schrieb er an seine Frau Maria im Februar 1911 (zit. nach: Franz Marc. Die Retrospektive, Ausst. Kat. Lenbachhaus München 2005/2006, S. 28f.). Die pyramidale Komposition der vorliegenden Zeichnung, die aus dem genannten Skizzenbuch stammt, umfasst drei Figurenakte und ein Pferd, ein weiterer liegender Akt ist in den Vordergrund eingebettet. Sie erinnert nicht zufällig an die tektonisch aufgebauten Figurengruppen, die für Hans von Marées kennzeichnend sind. Franz Marc hatte die große Gedächtnisausstellung, die 1908 in München ausgerichtet wurde, besucht und war ebenso wie andere zeitgenössische Künstler, etwa Oskar Schlemmer und Max Beckmann, stark von Marées beeindruckt. „Intensiv studierte er die klassizistische Tektonik der Figuren und nutze sie für seine artistischen Kürzel, mit denen er vor allem in Zeichnungen seine Bewegungsstudien fasste. Marées verstand er als Vorbild, das ihm dazu verhalf, sich von der Pleinair-Malerei zu lösen.“ (Wilfried F. Schoeller, Franz Marc. Biografie, München 2017, S. 116).

Werkverzeichnis

Hoberg/Jansen Bd. III, S. 197, Skizzenbuch XXIII, S. 24; nicht bei Lankheit; nicht bei Schardt

Provenienz

Nachlass des Künstlers; Maria Marc, Ried; Aus dem Nachlass von Maria Marc verkauft durch den Testamentsvollstrecker Otto Stangl, München (Marc-Nachlass Nr. 133); Rheinische Privatsammlung

Literaturhinweise

Klaus Lankheit, Franz Marc. Unteilbares Sein. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1959, Abb. S. 37 ('Arkadische Gruppe')

Ausstellung

New York 1969 (Hutton Gallery), Kandinsky, Marc, Macke. Drawings and watercolors, Kat. Nr. 57; Bremen 1970 (Graphisches Kabinett - Kunsthandlung U. Voigt), Franz Marc 1880-1916, Kat. Nr. 16; Vaduz 1971 (Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung), Franz Marc. Zum zeichnerischen Werk, Kat. Nr. 18; Baden-Baden 1974 (Galerie Elfriede Wirnitzer), Franz Marc. Zeichnungen, Kat. Nr. 9 mit Abb.; Berlin 1977/78 (Galerie Pels-Leusden), Franz Marc. Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen. August Macke. Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen und Plastik, Kat. Nr. 26; Düsseldorf 1984 (Galerie Wolfgang Wittrock), Kat. Nr. 15 mit Abb. S. 19; Bielefeld/Winterthur 1987/88 (Kunsthalle/Kunstmuseum), Hans von Marées und die Moderne in Deutschland, Kat. Nr. 86 mit Abb. S. 170; Berlin/Essen/Tübingen 1989/90 (Brücke-Museum/Museum Folkwang/Kunsthalle), Kat. Nr. 39 mit Abb.; München 2005/06 (Städtische Galerie im Lenbachhaus), Franz Marc. Die Retrospektive, Kat. Nr. 149 mit Abb.

Lot 50 Dα

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
45.000 €