Franz Radziwill - Die bunten Felder

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Franz Radziwill

Die bunten Felder
1957

Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen 63,3 x 91,5 cm Im Künstlerrahmen. Unten links grün signiert 'Franz Radziwill'. Rückseitig auf der Malplatte schwarz vermerkt 'Nr. 503'. - In farbschöner Erhaltung.

Eine rätselhafte Landschaft: Immer wieder verstellt und verfremdet der Maler die Perspektive, nimmt sich alle Freiheiten einer farblich ungebundenen Gestaltung, durchbricht Sehgewohnheiten, beschwört die „Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit“. Die Apokalypse ist nicht mehr Teil einer fernen Zukunft. Sie ergreift die Gegenwart. Deutlich wird das an jenem Detail, das sich in der unteren rechten Bildhälfte auftut: Nahe einem rötlichen Weg und einer grünen Rasenecke öffnet sich die Erde, gibt den Blick frei auf ein helles, jenseitiges Gestirn, das vor unwirklichem Blau aufleuchtet. Das Drama wiederholt sich mehrfach in einen Himmelsraum hinein, der mit mythischen Figuren und Rhythmen aus dem Vokabular von Hieronymus Bosch ein apokalyptisches Szenerio beschwört. Dieses Geschehen berührt auch die unmittelbare Umgebung des Malers: Sein vom Sturm geschütteltes Domizil Dangast. (r. M. im grünen Feld) zerbricht. Unter einem bedrohlich verhangenen Himmelskörper ergreift die kosmische Katastrophe den Strand, die Windmühle am Ortseingang, die Boote auf dem Jadebusen. An einem schroffen Felsen zerschellt, was der Mensch schuf. Eine schwarz-weiß gekleidete Figur, dem Kabinett von Giorgio de Chirico entstiegen, nähert sich unter einem in den Himmel geschlagenen Loch vier Grabhügeln.
1957 ist das Jahr, in dem der Maler mit einer großen Retrospektive in der Ostberliner Nationalgalerie seine Sonderstellung als „Magischer Realist“ festschrieb. Das Gemälde „Die bunten Felder“ gehört in diesen von der Kunstgeschichte fest umrissenen Teil der „Neuen Sachlichkeit“. Es belegt Radziwills absolute Sonderstellung. (Gerd Presler)

Werkverzeichnis

Firmenich/Schulze 708

Im handschriftlich geführten Gemäldeverzeichnis des Künstlers unter der Nr. 503 gelistet.

Zertifikat

Wir danken Gerd Presler für den Textbeitrag und zusätzliche Informationen.

Provenienz

Privatbesitz Nordrhein-Westfalen; Privatbesitz Niedersachsen; Hauswedell & Nolte, Auktion 373, 14.6.2003, Lot 1544; Privatsammlung Norddeutschland

Literaturhinweise

Kurt Friedrich Ertel (Hg.), Moderne Malerei in Deutschland, Bayreuth o. J. (ca. 1960), Farbabb. S. 191

Ausstellung

München 1963 (Galerie Heseler), Franz Radziwill und Helmut Ullrich, Nr. 8 mit Abb.

Lot 70 D

Schätzpreis:
100.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
162.500 €