Günther Förg - Ohne Titel

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Günther Förg

Ohne Titel
1989

6-teilige Arbeit: jeweils Acryl auf Blei auf Holz. Je 80 x 60 cm. Framed in studio frame. Rückseitig auf dem Holz jeweils signiert, datiert und beschriftet 'Förg 89 '22/89' und in Folge 'A' bis F' beschriftet.

Bereits während seiner Akademiezeit in den 1970er Jahren formen sich die grundlegenden Charakteristika der malerischen Ausrichtung Günther Förgs. Von Beginn an verschreibt er sich einer minimalistischen Abstraktion im Sinne eines von Deutungsballast befreiten Neuanfangs, der die physische Präsenz der Malerei in den Mittelpunkt stellt. „Förg begann also seine Malerei, als für ihn Abstraktion eigentlich nichts mehr mit abstrahieren zu tun hatte, denn die Stofflichkeit des Materials Farbe, die Materialität der Bildträger oder das Pigment auf einer Wandfläche waren die entscheidenden Wirkungsfaktoren.“ (Siegfried Gohr, zit. nach: Günther Förg, Make it new, Recklinghausen 2004, S.58). Er erschließt für sich auf Malgründen aus Aluminium, Kupfer und Blei Ausdrucksmittel, die die Grenzen zwischen Malerei und Objektkunst verwischen, später führt er diesen Weg mit Bronzeplastiken und bemalten Gipsreliefs weiter in die Dreidimensionalität fort. Der umgebende Raum ist auch für seine Malerei von entscheidender Bedeutung, er konzipiert seine Bilder und Bildserien als räumliche Installationen; mit seinen Wandmalereien nimmt er dann auch ganz unmittelbar den Raum in Besitz.
Den Bleibildern widmet sich Förg ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre mit besonderer Aufmerksamkeit. Sie gehören zu seinen bekanntesten Werkgruppen, in ihnen tritt die Stofflichkeit des gewählten Materials besonders kraftvoll zutage. Die leichte Verformbarkeit des Schwermetalls, die es in früheren Zeiten zu einem beliebten und vielfältig eingesetzten Werkstoff werden ließ, macht sich auch Förg zunutze, indem er es, zu Blech ausgewalzt, anstelle von Leinwand über einen Holzrahmen spannt. „Förg transformierte diese Materialien und die ihnen innewohnenden Differenzen – Blei – Holz – Malmaterie – in eine diffuse Räumlichkeit. Ohne Perspektive entsteht etwas wie ein Resonanzboden, der die strenge Wahrheit der geometrischen Komposition erschüttert. Es war vor allem die Entdeckung des Bleis, das als Widerpart der Farbe neue Möglichkeiten eröffnete. Dieses seltene Material für einen Künstler besticht vor allem durch zwei Eigenschaften, einerseits ist es besonders schwer, andererseits besonders verletzlich.“ (Siegfried Gohr, zit. nach: a.a.O., S.63). Denn die bei dem Prozess des Aufspannens unvermeidlich auftretenden Unregelmäßigkeiten in Form von kleinen Aufwölbungen, Dellen und Kratzern schaffen eine jeweils einzigartige Fläche, die eine unverwechselbare Patina besitzt. Von diesen Narben und Schrunden, die die Oberfläche prägen, rührt das vielschichtige Charisma und die Individualität, die diesen Bildern eigen ist. Das Blei tritt mit seinem rohen Materialcharakter entweder direkt, weil in Teilen unbemalt, oder indirekt unter der Malschicht in Erscheinung und verleiht den Werken eine archaisch anmutende Tiefe. In der Rezeption dieser Kunstwerke spielt immer auch der symbolische Gehalt eine Rolle, mit dem das Material Blei aufgrund seiner historischen Anwendungsbereiche und ihm zugeschriebenen Eigenschaften aufgeladen ist. Durchaus düstere Assoziationen an Kriegsgerät, an Schwerindustrie, an alchemistische Experimente können unterschwellig mitschwingen.
In der außerordentlich schönen sechsteiligen Serie, die in dieser Auktion offeriert werden kann, bleibt das ungewöhnliche Material unter der sichtbaren Oberfläche verborgen und scheint nur subtil durch. Die sechs hochrechteckigen Einzelbilder zeigen geschlossene monochrome Farbflächen, die jeweils im rechten Bildviertel von einer breiten vertikalen Linie in dunklem Rot durchlaufen werden – ein Element, das in Anlehnung an den sprichwörtlichen „roten Faden“ die Werke optisch aneinanderbindet. Die Unregelmäßigkeiten des Bleiblechs bilden hier einen Maluntergrund, der je nach Lesart Ähnlichkeiten zu den Gebrauchsspuren eines historischen Artefakts oder zu etwas natürlich Gewachsenem aufweist. Der unregelmäßige Farbauftrag mit seinem Wechselspiel aus leicht transparenten und opaken Partien und die Wahl der Farben verstärken diesen Charakter. Warme und kühle Töne halten sich die Waage und balancieren sich in ihrer räumlichen Wirkung aus; die Rot- und Brauntöne evozieren Nähe, die kalten Weiß- und Blautöne rufen den Eindruck von Ferne hervor. Bleiuntergrund und Acrylfarbe steigern sich gegenseitig durch den Kontrast aus Dichte und Schwere einerseits, Durchlässigkeit und Leichtigkeit andererseits.
Die Malerei Günther Förgs fußt auf zahlreichen Anregungen, die er im Konstruktivismus und abstrakten Expressionismus, in der amerikanischen Farbfeldmalerei eines Barnett Newman und im Minimalismus von Künstlerkollegen wie Blinky Palermo fand. Jedoch geht es ihm bei der Verarbeitung der dort aufgegriffenen Bildideen nur um die Übernahme formaler Aspekte, die ihn besonders ansprechen, nicht um inhaltliche Ansprüche und Zusammenhänge. Oft wird daher die Lakonie seiner bildnerischen Interpretation thematisiert. Doch letztendlich spielen diese Vorbilder nur bedingt eine Rolle: Förgs Malerei erreicht aus sich selbst heraus eine gänzlich individuelle malerische Intensität, die nicht nur durch die eigenständig-souveräne Beherrschung von Komposition und Farbe erreicht wird, sondern vor allem durch die lebendige und sinnliche Präsenz, mit der er seine Bilder aufzuladen vermag.

Zertifikat

Wir danken Michael Neff vom Estate Günther Förg für die freundliche Bestätigung der Authentizität dieser Arbeit.

Provenienz

Galerie Bob van Orsouw, Zürich; Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

Lot 18 D

Schätzpreis:
500.000 € - 600.000 €