Lovis Corinth - Römische Blumen

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Lovis Corinth

Römische Blumen
1914

Öl auf Leinwand. 75 x 84 cm. Gerahmt. Unten links schwarz signiert und bezeichnet 'Lovis Corinth Roma 1914'.

Das Thema der Vergänglichkeit verarbeitete Lovis Corinth bereits ab 1900 in seinen jährlichen Selbstporträts. Als der Künstler Ende des Jahres 1911 einen schweren Schlaganfall erlitt, vertiefte das Erleben der Endlichkeit des eigenen Daseins sicher sein Interesse für diese Thematik. Das Stillleben wird für ihn zum intensiv genutzten Ausdrucksmittel, um sich mit dem Vanitas-Gedanken, der unwiederbringlichen Lebenszeit alles Natürlichen auseinanderzusetzen.
Im April 1914 brach der Maler zusammen mit seiner Frau Charlotte zu einer Reise nach Südfrankreich und Italien auf. Nach Stationen in Nizza und Monte Carlo hielten sie sich kurzzeitig in Rom auf, wo zwei Gemälde entstanden. Aus zwei verschiedenen Ansichten desselben Straußes schuf der Maler in seinem Hotelzimmer die beiden prachtvollen Stillleben „Römische Blumen im Krug“ (Berend Corinth 628) und „Römische Blumen“, welches in dieser Auktion offeriert wird. Bereits wenig später musste das Ehepaar die Reise aufgrund der drohenden Kriegsgefahr abbrechen und kehrte über St. Moritz nach Berlin zurück, am 1. August 1914 brach der I. Weltkrieg aus.
Die Blumenstillleben Corinths feiern die Opulenz der Natur in einer überreichen Pracht von Farb- und Formenvielfalt. „Es sind Hymnen an die Farbe und an das Licht, sie schwelgen im Luxus eines Überflusses an Schönheit, die das Auge kaum fassen und von der es sich nicht lösen kann.“ (Cathrin Klingsöhr-Leroy, in: Lovis Corinth, Ausst.Kat. Galerie Karsten Greve, Paris 2022, S. 30). In schnellem, flüchtigen Pinselduktus bringt er die Substanz der Pflanzen in größtmöglicher Lebendigkeit zum Ausdruck. Eine dramatische Zusammenstellung aus weißen Lilien und Kallablüten, dunkelrotem Hibiskus und violettem Rhododendron entfaltet in diesem Werk eine ungemein sinnliche Wirkung. Zeigen die „Römischen Blumen im Krug“ mit der in leichter Untersicht gesehenen Vase einen konventionellen Bildaufbau, ermöglicht hier die bildfüllende Aufsicht auf den Strauß ohne jegliches Beiwerk ein Eintauchen in die Üppigkeit und Schönheit der Blüten. Vor dem Hintergrund der heraufziehenden Kriegsgefahr können sie gleichermaßen als Memento mori und als Ausdruck purer Lebensfülle gesehen werden.

Werkverzeichnis

Berend-Corinth 629

Provenienz

Margarete v. Gayl, Dresden; Galerie Dietrich, München; Bayerischer Privatbesitz

Ausstellung

Berlin 1926 (National Galerie), Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Kat. Nr. 262 (Besitzer: Margarete Freifrau von Gayl, Dresden); Dresden 1927 (Kunstverein), Kat. Nr. 78

Lot 19 Dα

Schätzpreis:
250.000 € - 300.000 €

Ergebnis:
516.600 €